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Sofortmaßnahmen

Beim Heizwärmeverbrauch handelt es sich ausschließlich um den Ersatz von Wärmeverlusten des Gebäudes durch nachgespeiste Heizwärme: Einige dieser Verluste lassen sich einfach, schnell und kostengünstig reduzieren. Heizung ist übrigens für die meisten Haushalte der bei weitem überwiegende Energieverbrauch (75% und mehr) und für den Gesamtverbrauch in Deutschland hochrelevant (mindestens 27%). Beim Erdgas ist der Heizwärmeanteil noch weitaus bedeutender.

Auch beim Warmwasserbedarf sind meist mehr als die Hälfte durch Leitungs- und Speicherverluste bedingt1). Auch das lässt sich oft einfach, schnell und kostengünstig reduzieren. Aber auch die Reduktion unnötig hoher Wassermengen z.B. beim Duschen vermindern die Qualität der Dienstleistung nicht, wenn es durch einen dafür speziell entwickelten Duschkopf erfolgt.

Ganz zu Anfang ein genereller Hinweis: Natürlich geht auch Wärme durch Ritzen, Risse und Fugen infolge ausströmender warmer Luft verloren. In den meisten unserer Gebäude ist das aber nur ein sehr kleiner Teil der Verluste. Die weit überwiegenden Wärmeverluste werden durch gut wärmeleitende Bauteile (z.B. gemauerte Wände, Betondecken, Fensterscheiben) ohne jeden Luftdurchtritt nach außen geleitet: Die Moleküle in den Materialen stoßen sich in ihrer Wärmeschwingung an und reichen so, ohne ihren Platz zu wechseln, die Wärme weiter. Es ist daher überhaupt nicht vorrangig, in einem alten Gebäude als erstes alle Fugen und Ritzen abzukleben - dabei laufen Bewohner sogar möglicherweise Gefahr, dass sich der Luftwechsel verringert und die Raumluftfeuchtigkeit unzulässig ansteigt. Wärmeverluste wirksam reduzieren geht anders: Nämlich durch etwas Vergleichbares wie den „warmen Pullover“, nur eben für das Haus: Schichten, welche die Wärme weniger gut weiterreichen; das sind sogenannte Wärmedämmstoffe, zu denen auch Wolle (aller Art), Zellulose, Hanf, Stroh sowie Mineralschaum, Glasschaum und Mineralwolle und verschiedenste Schaumstoffe gehören. Alle diese Materialien haben eines gemein: Sie enthalten vor allem Luft, die sich nur sehr wenig bewegt und Wärme 25mal(!) verringert weiterreicht wie ein gewöhnliches Baumaterial. Weil wenig zutreffende Vorstellungen zu diesen eigentlich sehr einfachen Zusammenhängen weit verbreitet sind, haben wir dazu eine eigene Seite: mit leicht verständlichen Erklärungen.

Übrigens: Diese Tatsachen sind es, worum Sie auf diesen Seiten nach einer „Sofortmaßnahme Fenster abdichten“ vergeblich suchen. Sie finden aber Anleitungen zu einer tatsächlichen Verbesserung alter Fenster (z.B. durch einen zusätzlichen Luftraum) oder durch einen Wärmeschutz des alten Fensterrahmens (beides weiter unten).

Abb. 1: elektronisches Hygrometer: unter 50% - alles OK hierNoch ein Hinweis für alle, welche trotzdem versuchen, akribisch alle Ritzen abzudichten: Wir raten in einem solchen Fall dazu, die Raumluftfeuchte zu kontrollieren - heute sind einfache und zuverlässige elektronische Hygrometer überall kostengünstig zu bekommen. Wenn die relative Luftfeuchtigkeit im Winter in einem Altbau über 50% ansteigt, dann ist „Lüften“ angesagt: Für ca. 5 Minuten die Fenster weit auf, so dass alle Luft im Raum gegen Frischluft ausgetauscht wird. Dadurch wird auch die überflüssige Feuchtigkeit (die überwiegend von uns selbst stammt) mit hinausgelüftet, ebenso wie andere Innenraum-Luftbelastungen. Wenn das 4 bis 6 mal täglich gemacht wird, ist der Wärmeverlust dadurch (im Vergleich zu den ansonsten überwiegend sehr schlecht gedämmten Bauteilen) nicht besonders hoch, aber Bauschäden werden vermieden und die Luft in der Wohnung ist gesünder. Lüften muss sein! Wenn ich schon eine Lüftungsanlage habe, erledigt diese das für mich, das ist dann bequemer. Sonst hilft nur: Stoßlüften durch Öffnen der Fenster (richtig offen!). Die 'Restfugen' reichen schon in den heutigen Wohnungen in Deutschland nicht allein für eine gesicherte Lufterneuerung.

Leitungsdämmung

In Deutschland wird seit langem ein Mindestmaß an Rohrleitungsdämmung gesetzlich gefordert. Leider ist die Anforderung schon von jeher zu gering, vor allem aber bleibt die praktische Ausführung häufig weit hinter den Zielwerten zurück. Hinweise, wie das relativ leicht verbessert werden kann, gibt es in unserem Artikel "Schwachstellen von Wärme führenden Leitungen nachdämmen".

Wärmeführende Leitungen im Heizraum
sind oft nicht überall gedämmt:
das lässt sich leicht nachholen.
Im Bild links ist die vertikale
(Entlüftungs-)Leitung ungedämmt,
wohl weil da „normalerweise“
kein Medium durchfließt. Die
Leitung leitet aber Wärme weiter,
wie im Thermographiebild (rechts)
gut erkennbar.

Sommerheizung vermeiden

Eigentlich ist das verrückt: Aber bei unseren Messungen mussten wir immer wieder feststellen, dass gar nicht so wenige Heizsysteme auch im Sommer ständig betriebsbereit sind und oft sogar (auf Grund einer Außentemperatursteuerung) in Betrieb gehen; die Nutzer merken das oft gar nicht, weil ja die Fenster „sowieso“ offen stehen und ein „lauwarmer“ Heizkörper nicht auffällt. Was tun?

Alternativen zur Zentralheizung in der kalten Jahreszeit

Viele Menschen überlegen sich derzeit (zur recht), welche Alternativen ihnen zu den nun massiv gestiegenen Öl- und Gaspreisen bei der Heizung bleiben. Überwiegend wird hier, auch unterstützt durch die Medien, in „Substitution“ durch andere Energieträger gedacht. Auf unseren Seiten haben wir systematisch herausgearbeitet, dass dies viel zu kurz gedacht ist: Die weitaus größeren Effekte lassen sich durch viele der in allen anderen Abschnitten behandelten Maßnahmen zur Verbesserung der Energienutzung und zumindest maßvoll energiesparendes Nutzerverhalten erreichen. Gerade weil in den meisten Medien aber die Diskussion schwerpunktmäßig in der Form „… mit was denn sonst heizen?“ geführt wird, wollen wir darauf hier kurz eingehen.

Die hier angesprochenen Fragen haben die Praxis in unseren Gebäuden schon erreicht, wie der Wortlaut dieses Schreibens an die Mieter in einem alten Geschosswohnungsbau dokumentiert:

„In einigen Wohnung im Haus befinden sich noch alte Kachelöfen. Aufgrund der steigenden Energiekosten suchen Mieter möglicherweise eine alternative Heizmöglichkeit, um die Kostensteigerung entgegenzuwirken. Wir bitten Sie jedoch die noch vorhandenen Kachelöfen nicht in Betrieb zu nehmen! Wir dürfen ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Kachelöfen nicht mehr funktionstüchtig sind und nicht gewartet werden. Die Inbetriebnahme der Kachelöfen ist daher aufgrund von bau- und feuerpolizeilichen Vorschriften untersagt!“

Zusammengefasst: In den allermeisten Fällen wird die Heizwärmeerzeugung aus bestehenden Zentralheizungen effizienter und auch kostengünstiger bleiben als die dargestellten 'Alternativen', eine Ausnahme davon sind allenfalls, aber auch nur geringfügig, Split-Klimageräte im Heizbetrieb. Entscheidend für die Reduktion der Heizkosten ist immer, ob es gelingt, weniger Brennstoff bzw. Strom einzusetzen als zuvor. Mit den Tipps, die wir auf diesen Seiten geben, sollte das gelingen4). Einmal ganz zugespitzt formuliert: Besser eine halbe Stunde in die Anbringung einer Fensterfolie investieren als sich die Hacken nach teurem Brennholz abrennen.

Duschköpfe

Wassersparduschkopf Der Warmwasserbedarf beträgt durchschnittlich so um 10% des Energieverbrauchs der Haushalte, viel davon sind Verluste (siehe unsere Anleitung zu "Leitungsdämmung"). Es lohnt es sich trotzdem, Maßnahmen zur Einsparung beim Warmwasser zu ergreifen.
Dabei stehen Wasserspar-Duschköpfe im Vordergrund. Die sind leicht zu bekommen und ebenso leicht auszutauschen.
Der alles überragende Verlust ist allerdings in den meisten Gebäuden der Zirkulationsverlust. Auch da lässt sich viel machen, dazu allerdings sind dann richtig gute Duschköpfe eine Voraussetzung.

Dämmung von Heizkörpernischen

Eine weitere, oft in Selbsthilfe durchführbare Maßnahme mit einem (eher bescheidenem, aber nicht unbedeutendem) Einspareffekt ist die Wärmedämmung der Heizkörpernische.

Solche „Minimaldämmmaßnahmen“ mit wenigen mm bis cm Dämmdicke sind hinter in Betrieb befindlichen Heizkörpern unkritisch - sie empfehlen sich aber leider nicht an anderen Stellen der Außenwände oder Decken oder Dächern: Einmal, weil die Dämmstärken dafür völlig unzureichend sind - zum anderen, wichtiger, weil es sich dabei um Innendämmung handelt, die zwar durchaus möglich und empfehlenswert sein kann, jedoch gute Informationen voraussetzt: vgl. unsere Seiten zur Innendämmung. Wir empfehlen dringend, sich vor der Ausführung einer Innendämmung die Basisinformation dazu und dann die Anleitung zur Ausführung genau durch zu lesen.

Verbesserungen an Fenstern

Hier geben wir gern zu, dass die Einfachheit und die Wirksamkeit dieser Maßnahme uns überrascht hat: Fast alle heute noch in unseren Gebäuden eingesetzte Verglasungen lassen sich immer noch durch eine weitere 'Scheibe' durchaus spürbar verbessern5). Da es eigentlich gar nicht um die Scheibe, sondern um einen zusätzlichen wärmedämmenden Zwischenraum geht, kann dies auch in Form einer innen auf den Flügelrahmen aufgebrachten Folie geschehen: Und das lässt sich verblüffend einfach durch "Fensterfolie anbringen" selbst durchführen. Weil das nur sehr wenig kostet und sogar schnell geht, haben wir es hier unter die Sofortmaßnahmen aufgenommen. Selbstverständlich ist eine neue, wirklich gute Verglasung6) nochmal sehr viel besser. Ein Wechsel von Verglasungen wird in der Regel ein Auftrag an das Handwerk - und oft lohnt es sich dann, gleich das ganze alte Fenster auszutauschen7).

Weitergehende Wärmeschutzmaßnahmen

Sehr viel mehr bringen geplante und sorgfältige ausgeführte Wärmeschutzmaßnahmen, immer am besten auf den Außenseiten der Bauteile. Hier geht es sofort zum Katalog der möglichen Maßnahmen: Anleitungen für Wärmeschutzmaßnahmen im Bestand.

Ein leider immer noch sehr weit verbreiteter Irrtum ist, dass Wärmeschutz auf dem „Dichtmachen“ der Bauteile gegen Luftströmung beruht8). Dabei wird auch in unseren Altbauten nur ein kleiner Teil der Wärmeverluste durch Kaltlufteinfall bewirkt - der bei weitem überwiegende Verlust kommt durch die Weiterleitung der Wärme von Atom zu Atom in den Wänden und anderen Hüllflächenbauteilen zustande - dabei strömt keine Luft; diesen Verlust durch Wärmeleitung, den können wir durch Wärmedämmung (sprichwörtlich den dicken Pullover um das Haus) sehr stark verringern.

Nachträglicher Wärmeschutz an Bauteilen von bestehenden Gebäuden bringt eine ganze Menge und hat eine Reihe von Vorteilen:

Hier ein Link zu den grundlegenden Kenntnissen dazu: Wärmeschutz aber richtig. Dieser Beitrag erklärt auch, warum wir beim Thema „Sofortmaßnahmen bei bestehenden Gebäuden“ nicht etwa z.B. zum „Abdichten von Fenstern“ raten: Das bringt nämlich gar nicht viel, weil der größte Teil der Wärmeverluste ohne Luftströmung durch die Scheiben geht - wichtiger aber: Es birgt gerade in Altbauten Gefahren. Denn, dort gibt es ja sonst keinen gesicherter Luftersatz, der aber wichtig für die Gesundheit der Menschen ist. Wenn ich am Fenster Energiespaqren will, dann haben wir dazu einen besseren Vorschlag: Verglasungen verbessern?

Hier ist der Link zur Systematik der Anleitungen: Wärmeschutzmaßnahmen im Bestand.

Stromsparen

Stromsparen ist heute vielfach nicht im Fokus, obwohl sich gerade hier wg. der hohen Strompreise beachtliche Kosteneinsparungen erreichen lassen. Geräte mit weit besserer Effizienz sind am Markt verfügbar - und zumindest bei jeder Ohnehin-Ersatzanschaffung lohnt es sich regelmäßig ganz besonders, das sparsamere Gerät zu wählen, auch wenn es evtl. eine etwas höhere Investition erfordert. Dies bringt bei weitem die meisten Einsparungen. Denn: z.B. verbrauchen die sparsamsten Kühlschränke am Markt weniger als 50 kWh jährlich, locker werden aber immer noch Geräte mit um 190 kWh/a angepriesen. Die Stromkostendifferenz beträgt dann über 40 € jedes Jahr. Dabei sind die Anschaffungskosten oft noch nicht einmal hoch.

Eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen stehen zur Verfügung, um den Strombedarf zu senken - das wirkt sich deutlich positiv bzgl. Klimaschutz und Verbrauch an fossiler Energie aus, da regelmäßig zunächst fossile Kraftwerke heruntergefahren werden können, wenn weniger Strom verbraucht wird.
Einige Ansätze finden sich bereits in diesem Passipedia-Beitrag: Optimierung auch des Strombedarfs.

Für alle praktisch sofort möglich:

Eine Seite mit konkreten Rückkopplungen von Lesern, die selbst etwas gemacht haben: Praxiserfahrungen

Eigene Solarenergie

Solarpaneele15) sind heute erschwinglich. Der selbst erzeugte Strom ist (solange die Orientierung nicht allzu ungünstig und der Installationsort wenig verschattet ist) allemal kostengünstiger als Strom aus dem Netz.

Wer Zugang hat, kann seine eigene PV-Anlage auf dem Dach oder dem Garagendach montieren. Wir empfehlen: Den Strom in das Netz einspeisen. Dafür gibt es fertige Lösungen, die sich gut bewährt haben.

Inzwischen gibt es auch kleinere Gesamt-Pakete aus Solarpaneelen plus steckerfertigem Wechselrichter, die sogenannten „Balkon-Solaranlagen“. Auch Mieter können solche Anlagen aufbauen. Das Prinzip: Die Solarpaneele werden an einem möglichst gut besonnten und wenig verschatteten Platz (windsicher!) befestigt. Von dort geht der erzeugte Strom (per dickem Gleichspannungskabel) zu einem Wechselrichter mit besonderer Sicherheitseinrichtung. Der wird wie ein Hausgerät (z.B. Staubsauger) mit einer dafür geeigneten Steckdose verbunden.

ACHTUNG! Bevor ich das mache, muss eine solche Anlage bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden. In Südhessen geht das z.B. über diesen Link: Südhessen-Steckersolaranlage

Stecker drin? - Nur, dass der Wechselrichter jetzt nicht etwa Strom verbraucht, sondern Strom erstmal ins Hausnetz einspeist; solange das weniger ist, als der gerade bestehende Eigenverbrauch, spare ich die entsprechenden Bezugskosten. Ein evtl. Überschuss wird ins übergeordnete Netz eingespeist und steht dort anderen Nutzern zur Verfügung - entsprechend weniger Kohle- und Gaskraftwerke müssen dann laufen. Diese Balkonanlagen sind bisher bei 600 W maximaler Einspeiseleistung begrenzt. So ungefähr 200 bis 500 kWh Strom kann der Betreiber damit jährlich erzeugen - das ist in etwa so viel, wie ein alter Kühlschrank verbraucht; und in einer Größenordnung von um 10% des gesamten durchschnittlichen Stromverbrauchs typischer Haushalte in Geschosswohnungen. Wissen müssen AnwenderInnen, dass der überwiegende Teil der Energieproduktion von PV im Sommer liegt - die Beiträge im Dezember und Januar sind dagegen nur gering16).

Die Möglichkeiten Steckersolar-Geräte zu installieren sind vielfältig. Wir haben 6 unterschiedliche Möglichkeiten ausgetestet
und finden: Das ist ganz einfach: 1. passenden Platz aussuchen, 2. Steckersolar-Set bei einem seriösen Anbieter kaufen,
3. Unterkonstruktion, PV-Module und Wechselrichter montieren, 4. Stecker in eine Steckdose stecken und Strom und Kosten sparen.
Hier geht es zur DIY-Anleitung "Steckersolar-Geräte" (Alle Fotos: (C) PHI)

Wer sicher gehen will, den erzeugten Strom weitgehend selbst zu nutzen, kann stattdessen eine vom Netz unabhängige sog. „Inselanlage“ bauen. Dabei wird der erzeugte Strom in einen Batteriespeicher geladen. Aus der Batterie kann ich dann bei Bedarf Strom entnehmen; wenn das weiter Verbraucher mit 230 V Wechselstrom-Anschluss sind, benötigt der Betreiber dafür einen Wechselrichter - der dann normale Schuko-Steckdosen für die zu betreibenden Geräte anbietet. Diese Lösung empfiehlt sich auch, wenn eine solche PV-Anlage auch zur Stromversorgung im Falle des Ausfalls des Netzes verwendet werden soll17).

Klimabewusste und spritsparende Mobilität

Für den Verkehr werden gut 30% der Endenergie in Deutschland verbraucht. Das basiert bisher fast ausschließlich auf Erdöl und die große Mehrheit des Verbrauchs verursachen die PKW. Auch hier ist Energieeffizienz die wirksamste Maßnahme18): Optimierte elektrische Fahrzeuge kommen mit einem Viertel, regelmäßig jedoch unter einem Drittel des Energiebedarfs aus wie Verbrenner-Fahrzeuge der gleichen Liga. Bei jedem neu angeschafften Fahrzeug ist ein batterieelektrisches Auto ökologisch gesehen19) die bessere Lösung; und wir sind uns ziemlich sicher, auf Dauer wird es auch die ökonomisch günstigere Lösung sein; zumindest, wenn auch die doch regelmäßig eintretenden Krisen bei der fossilen Energiebeschaffung berücksichtigt werden. Dazu gehört natürlich die zügige Erhöhung des erneuerbaren Anteils der Stromerzeugung - also der Ausbau von Windkraft und Photovoltaik - wozu auch wieder fast alle beitragen können.

Nicht alle werden aber schon dieses Jahr ein neues E-Auto anschaffen. Aber alle können zumindest einige der hier aufgeführten Maßnahmen durchführen20):

Klimabewusste, gesunde und nachhaltige Ernährung

Es hat sich herumgesprochen - unsere heutigen Ernährungsgewohnheiten sind weder besonders gesund, noch gerecht, noch zuträglich für die Umwelt. Das lässt sich sogar vergleichsweise schnell und einfach ändern; wenn wir die wissenschaftlich offensichtlichen Fakten akzeptieren und ein konsequentes Umstellungsprogramm angehen; auch hier geht es „Schritt für Schritt“, überstürzte Umbrüche, die sonst drohen, können vermieden werden. Der guten Darstellung des Bundesministeriums für Umwelt ist nicht viel hinzuzufügen: Fleischkonsum und Umwelt; wir fassen das Wichtigste zusammen und geben Hinweise auf „was tun?“; denn, wie überall, es kommt auf das Handeln an - Reden allein hilft noch nicht!

Quelle dieser Grafik: Hannah Ritchie and Max Roser (2020) - „Environmental Impacts of Food Production“. Published online at OurWorldInData.org. Retrieved from: environmental-impacts-of-food [Online Resource].

Die Zusammenstellung in 'impacts-of-food' auf Ourworldindata gibt eine gute Übersicht über die Auswirkungen der Nahrungsmittelproduktion auf den Klimawandel. Etwa 25% der Treibhausgasemissionen sind auf diesen Bereich zurückzuführen. Eine paar der wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Untersuchung zitieren wir hier (übersetzt):

„'Regionale Lebensmittel' ist eine Empfehlung, die man oft hört … . Auch wenn es intuitiv sinnvoll sein mag, der Verkehr verursacht schließlich Emissionen, ist dies einer der fehlleitenden Ratschläge: Regionales Essen hätte nur dann einen signifikanten Einfluss, wenn der Transport für einen großen Teil des endgültigen CO2-Fußabdrucks von Lebensmitteln verantwortlich wäre. Bei den meisten Lebensmitteln ist dies <aber> nicht der Fall.“ Dies wird in sorgfältig aufgearbeiteten Daten dann auch belegt.

„Unabhängig davon, ob Sie den Fußabdruck von Lebensmitteln in Bezug auf ihr Gewicht vergleichen (z. B. ein Kilogramm Käse versus ein Kilogramm Erbsen); auf den Eiweißgehalt oder auf die Kalorien, die generelle Schlussfolgerung ist immer die gleiche: Pflanzliche Lebensmittel haben einen geringeren CO2-Fußabdruck als Fleisch und Milchprodukte, in vielen Fällen sogar einen viel geringeren.“ Die Tendenz ist z.B. in der schon weiter oben wiedergegebenen Grafik erkennbar.

„25 % der Produktion (nämlich alle Nahrungsmittel zwischen 11 und 250 kg CO2eq) sind verantwortlich für 70 % der Emissionen für die Proteinversorgung.“ Interessant ist dabei, dass diese 25% ganz überwiegend (zu mehr als 75%) durch Eiweißproduzenten mit weit geringerem ökologische Rucksack substituierbar wären und dabei sogar noch weitere Landfläche z.B. für die Produktion von nachhaltigen nachwachsenden Werkstoffen verfügbar würde.

Die Frage wird oft gestellt: Müssen wir für den Ersatz der Protein- und Kalorienversorgung notwenigen zusätzlichen Anbau von Gemüse und Getreide nicht am Ende mehr Ackerbau betreiben? Argumentiert wird, dass dabei vor allem das Weideland reduziert wird, dann aber für den Ersatz mehr Ackerbaufläche gebraucht wird. Dazu gibt es eine Reihe von detaillierten Untersuchungen, Hanna Ritchie hat das hier zusammengetragen: Landnutzung verschiedener Diäten (englisch). Die Ergebnisse verblüffen nur auf den ersten Blick: Tatsächlich reduziert sich im Netto-Gesamteffekt auch die Ackerbaufläche - mit allen Ersatzflächen einbezogen. Die Ursache ist leicht verständlich: Die Kalorienerzeugung aber auch die Proteinbereitstellung im Umweg über das Tier ist extrem ineffizient - und natürlich wird (z.B. für die Winterstallung) auch in der Viehzucht Getreide vom Ackerbau eingesetzt. Die höhere Flächeneffizienz ist gewaltig - und der größte Beitrag kommt auch hier schon allein dadurch zustande, dass weniger Rinder nur für die Schlachtung gehalten werden. Diese Entspannung bei der Flächennutzung kommt zu den direkten CO2- und Methan-Einsparungen noch als weiterer Vorteil hinzu. Schon allein die teilweise Umnutzung der bisher weitgehend mit Mais bebauten Futtermittelproduktion auf Gemüseanbau erhöht zudem die Artenvielfalt und die Flexibilität der Fruchtfolge reduziert den Bedarf an Pestiziden und industriell hergestellten Düngemitteln. Wie die Entspannung bei den Flächen letztlich genutzt werden kann, das erfordert natürlich eine eingehender Diskussion; Naturschützer werden hier vor allem auf mehr naturbelassene Flächen drängen, und von denen kann es dabei einige geben; aber auch ein höherer Anteil an speziell für nachwachsende Rohstoffe angebauter Biomasse würde die Artenvielfalt weiter erhöhen und die Umwelt zusätzlich entlasten. Pflanzenfasern für nachwachsende Dämmstoffprodukte können z.B. ohne weiteres von einem großen Teil bisheriger Weideflächen gewonnen werden. Schließlich könnte ein Teil der Fläche für die Erzeugung von Solarstrom genutzt werden, denn der Wirkungsgrad ist dafür um mehr als einen Faktor 10 höher; allerdings, diese Option wird es mit einiger Sicherheit nicht brauchen: Denn, erstens gibt es mehr als genug andere, nicht für die Landwirtschaft genutzte Flächen, die eine PV-Stromerzeugung erlauben und zweitens kann eine Doppelnutzung (hochgestellte PV-Module; oft „Agri-PV“ genannt) der Flächen ohne nennenswerten Flächenverlust für die Landwirtschaft erfolgen.

Aber jetzt zur Praxis:

Wie immer auf diesen Seiten: Hinweise auf weitere einfach umsetzbare Ansätze sind herzlich willkommen: JETZT! (at passiv) kontaktieren.


1)
Der Warmwasser-Energiebedarf ist in der Jahressumme ganz erheblich geringer als die Raumheizung; grob 15% davon, im Durchschnitt.
2)
Insbesondere diese oft auch „Infrarot“-Heizung genannten Systeme werden seit ein paar Monaten intensiv werbend angepriesen. Wenn ich mit so einem Strahler nur einen Raum ab und zu beheize und die Zentralheizung dafür ganz auslasse, spar ich so natürlich Energie, aber auf ineffizientem Weg. Wir werden dazu noch eine systematische Betrachtung publizieren - vor allem, wie das dann viel besser gemacht werden kann.
3)
z.B. 30 Min Badaufenthalt
4)
in aller Regel wird das trotzdem die Kostensteigerungen nicht vollständig auffangen können, aber doch nennenswert abmildern
5)
Ausnahme sind nur die Dreischeiben-Wärmeschutzverglasungen; selbst bei denen 'schadet' das Beschriebene aber nicht, ist nur nicht mehr bedeutend.
6)
und das ist dann immer eine Dreischeibenwärmeschutz- oder eine Vakuumverglasung
7)
auch da kann heute nur zu einem zertifizierten Passivhaus-Fenster geraten werden; die müssen noch nicht mal wesentlich teurer sein
8)
Und zugehörige Bilder, bei denen Bewohner mit Silikon und ähnlichem versucht haben, "alles dicht" zu machen.
9)
Heute oft bzgl. Heizung als SPFH „seasonal performance factor heating“ bezeichnet (Saisonaler Wärmebereitstellungsfaktor Heizung). Allerdings sind die auf den Prospekten der Hersteller angepriesenen Werte dafür unter günstigsten Bedingungen ermittelte Laborwerte die in der Praxis regelmäßig in dieser Höhe kaum erreicht werden
10)
evtl. längst nicht mehr genutzten
11)
wir werden bei Gelegenheit Messwerte publizieren. Die Erfahrungen mit Stecker-Schaltnetzteilen sind aber diesbezüglich ohnehin überwiegend gut; en Ersatz lohnt sich, die Geräte sind auch ohnehin nicht teuer
12)
Auf Twitter: „Nach dem ollen Gasherd im Urlaub fühlt sich das Kochen auf Elektroplatte wie Kochen mit Handbremse an.“ Das ist wirklich nichts anderes als die erlebte Ineffizienz der gewöhnlichen elektrischen Kochplatte.
13)
Bitte sicherstellen, dass die dann nicht „aus Versehen“ in Betrieb genommen werden. Z.B. Sicherung des Herdes auf „Aus“ stellen.
14)
Nur Warmwasser ist viel höher. Das ist aber keine „stromspezifische Anwendung“ und mit einfachen Widerstandsheizungen nicht wirklich „klimafreundlich“. Und natürlich ist eine elektrische Raumheizung um ein Vielfaches höher, auch wenn das mit einer Wärmepumpe erfolgt. Ja, die Wärmepumpe ist auch schon heute eine bessere Lösung als z.B. eine Gasheizung. Derzeit jedoch nicht „soviel besser“ wie oft geglaubt wird; in einer ehrlichen Bilanz heute 10 bis 45% weniger CO2, immerhin. Das ändert sich erst dann, wenn ganz erheblich mehr Windkraft installiert ist als heute.
15)
auch genannt: Photovoltaik, PV
16)
Damit eine Notheizung betreiben zu wollen ist illusorisch, selbst bei sehr guter Wärmedämmung. Für ein wenig Licht und ein Radio wird es aber auch im Winter reichen.
17)
Die einfacher „Stecker-Balkon-Solaranlagen“ schalten sich bei fehlendem Netz automatisch ab - und das muss auch so sein, denn z.B. bei Reparatur-Arbeiten am Stromnetz muss dieses aus Sicherheitsgründen spannungsfrei bleiben - und nicht etwa durch irgendwo eingespeiste Energie doch wieder unter Spannung stehen
18)
Übrigens schon lange richtig erkannt von der Europäischen Kommission. Auch in Deutschland waren wir diesbzgl. bis etwa 2010 erfolgreich, siehe: Energieeffizienzverbesserungen im Verkehr.
19)
und auch von der Versorgungssicherheit
20)
Das spart Sprit, spart Geld, spart Stress und reduziert schwere Unfälle
21)
Das ist ganz einfache Physik: Bei Geschwindigkeiten oberhalb von etwa 100 km/h dominiert bei fast allen Fahrzeugen die Luftreibung die Energieverluste. Diese nimmt sogar mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zu - es ist also überhaupt keine Frage, dass durch langsameres Fahren Energie gespart wird; und zwar bezogen auf die gefahrene Strecke.
22)
Ähnlich, wie es auch kein „Nullheizenergie“-Konzept für Gebäude zwingend braucht. Mit der Effizienz von Passivhäusern kann die gesamte Menschheit dsbzgl. mit dem Planeten im Frieden leben
23)
insbesondere Rindfleisch
24)
Und übrigens, ein Häubchen Sahne auf die Erdbeeren, das lasse ich mir zumindest von Zeit zu Zeit nicht nehmen; es geht niemals darum, allen „Spaß“ oder „Unsinn“, wie immer das aus individuellem Gefühl heraus empfunden wird, auf „Null“ zu reduzieren. Wenn es sich aber um ziemlich schädliche Implikationen handelt, dann ist 'weniger davon' ein entscheidender Beitrag.