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Wärmeschutz durch Innendämmung

Denn: Innendämmung ist weit besser als ihr Ruf!

Ein Wort zuvor: Außendämmung oder Innendämmung?

Eine verbesserte Wärmedämmung ist die entscheidende Voraussetzung für ein behagliches Wohnklima, hygienische Verhältnisse im Raum und einen energieeffizienten Betrieb moderner Heizungen. Wir haben in der Passipedia beschrieben, warum wir, wann immer es geht, eine außenliegende Dämmung vorziehen. Wir sehen aber auch, dass diese nicht immer realisierbar ist. In einem solchen Fall ist der innenliegenden Dämmung der Vorzug vor unzureichender oder gar keiner Dämmung zu geben - vorausgesetzt, die Innendämmmaßnahme wird sachgerecht geplant und ausgeführt. Dann ist das Raumklima mit der Innendämmung besser als ohne - und das gilt für jedes der von uns hier beschriebenen Systeme. Eine bedeutende Rolle spielt dabei der Feuchtehaushalt der Außenwand - dies ist umfassend untersucht und gelöst, siehe unsere Publikationen zum Thema Feuchteschutz. Hier konzentrieren wir uns darauf, wie solche Lösungen in der Praxis ausgeführt werden können. Natürlich ersetzt die Beschreibung hier keine individuelle Beratung.

Innendämmung – aber richtig

Nur, wenn die Innendämmung sorgfältig geplant und ausgeführt wird, kann sie auch den Bautenschutz verbessern. Dass das dann auch wirklich gut funktioniert, zeigen zahlreiche bereits vor Jahrzehnten ausgeführte erfolgreiche Beispiele.

Wärmebild zur Innendämmung (im Erdgeschoss), die 1986 in einem Tübinger Altbau ausgeführt wurde. Der Komfort stimmt, die Einsparung stimmt, nach Jahrzehnten zeigt die Nachuntersuchung: Bautenschutz stimmt ebenfalls!

I ACHTUNG - Unbedingt vorher abzuklären! - Sonst drohen Schäden

Folgende Voraussetzungen müssen zunächst geprüft werden:

  1. Gibt es aufsteigende Feuchte1)? Falls ja, dann muss dies zunächst abgestellt werden2).
  2. Ist die zu dämmende Fassade Schlagregenbeanspruchungsgruppe III zuzuordnen? Falls ja, so geht „nichts“ ohne wasserabweisende Fassade oder eine andere Art des Schlagregenschutzes.
  3. Undichte Stellen (z. B. an Regenrinnen oder Wasserleitungen), die das Bauteil durchfeuchten, müssen repariert werden.
  4. Nasse Baustoffe (z. B. Putzausbesserung) müssen austrocknen, bevor die Innendämmung eingebaut wird.
  5. Verlaufen etwa wasserführende Leistungen (Heizleitungen, Warmwasserleitungen aber auch Kaltwasser) „eingebaut“ (eingeputzt) in der Außenwand3)4), die da von innen gedämmt werden soll? Dann: wenn diese Leitungen nicht stillgelegt und entwässert werden können: in diesen Bereichen KEINE Innendämmung (Streifen plus-minus 1 m)5).

Alle hier genannten Problembereiche haben mit der Innendämmung im Grunde nichts zu tun - es sind allesamt Probleme, die ohnehin behoben werden sollten, wenn der Eigentümer an einem langfristigen Erhalt seiner Substanz interessiert ist. Überlegungen zu einer Innendämmung führen dann vielleicht dazu, dass solche Missstände behoben werden - das spart Bauschäden und verbessert zusätzlich den Komfort - und, im Fall von sonst nassen Wänden, spart es auch schon von sich aus etwas Energie.

II Innendämmung: luftdicht und wärmebrückenreduziert

Immer erreicht werden müssen:

  • ein luftdichter Aufbau der Innendämmkonstruktion gegen konvektiven Feuchteeintrag aus der Raumluft und
  • eine Wärmebrückenreduktion an allen Anschlusspunkten der Innendämmung.

Warum luftdicht? Bei einer Hinterströmung der Innendämmkonstruktion mit normaler Innenraumluft im Winter kann eine massive Auffeuchtung der Wandkonstruktion von der alten Innenoberfläche her erfolgen; wir erklären das hier genau: Innendämmung NIEMALS hinterlüften6). Für die Luftdichtheit der raumseitigen Verkleidung einer Innendämmung sollten daher die sonst bei Neubauten bewährten Werte7) eingehalten werden. Diese Anforderung ist streng, aber sie ist baupraktisch auch in Altbauten erfüllbar, wie dokumentierte Beispiele beweisen [AkkP 32]. Wir werden hier im Detail beschreiben, wie sich das baupraktisch erreichen lässt, insbesondere auch an kritischen Anschlusspunkten.

Innendämmung hat leider ein Potenzial zur Verschärfung von Wärmebrücken der „schädlichen Art“, nämlich mit stark reduzierten inneren Oberflächentemperaturen. Das lässt sich aber sicher vermeiden - genau deshalb lautet das Planungskriterium für Innendämmung: die Dämmkonstruktion muss so geplant werden, dass Temperaturabsenkungen an allen Anschlusspunkten (auch mit Möbeln) bei (außen -5 °C; innen 20 °C) auf minimal 12,5 °C begrenzt bleiben, z. B.:

  • Fensterlaibungen: Bei Innendämmung ist eine Begleitdämmung bis an den Fensterrahmen ≥ 20 mm unverzichtbar (auch als Dämmkeil ausführbar, wenn der Platz sonst nicht reicht).
  • Geschossdecken (Betondecken): Auf der Oberseite ist der Anschluss an die normale (≥ 25 mm) Trittschalldämmung ausreichend. Auf der Deckenunterseite wird ein Dämmkeil benötigt.
  • Einmündende Innenwände: An Innenwänden endende Innendämmungen führen dort meist zu niedrigen Temperaturen; wird dort noch ein Möbelstück gestellt, sind Schäden nicht auszuschließen. Es gibt mehrere praktikable Alternativen: eine Begleitdämmung an der Innenwand (ca. 40 cm), Dämmkeile, Dämmzierleisten und Temperaturleitbleche (wenn eine Lösung benötig wird, die nicht aufträgt)(vgl. Abb. 1).
Dämmkeil Begleitdämmung Temperaturleitblech
Abbildung 1 Lösungen zur Wärmebrückenreduktion am Beispiel Innenwand-Anschluss
(Quelle: [AkkP 32])
  • Auch anderen Stellen, an denen die Innendämmung sonst „abrupt“ enden würde 8), brauchen alle die hier am Beispiel der Innenwand beschriebene „abmindernde“ Ausführung eines schleichenden Auslaufens der Innendämmung9).

Details, die viele kritischen Anschlussbereiche umfassen, sind im Protokollband „Innendämmung“ [AkkP 32] beschrieben und berechnet. Viele Hersteller bieten heute bereits speziell zugeschnittene Formteile (z. B. Dämmkeile) für diese Anwendungen an - in allen denkbaren Materialien.

Dämmkeil - geht von wenigen mm auf ca. 25 mm auf


Ein Beispiel für eine in Selbsthilfe ausgeführte Innendämmmaßnahme finden Sie hier: Innendämmung 36 Jahre erfolgreich.

Lösungen für den Feuchteschutz

Der hohe Wasserdampfpartialdruck, der in der Raumluft im Winter vorliegt, kann auch durch Wasserdampfdiffusion einen Feuchtigkeitstransport an die (nun kalte) alte Wandkonstruktion hinter einer Innendämmung bewirken10). Für die Vermeidung von Feuchteschäden gibt es heute zwei unterschiedliche Konzepte:

Lösung I ist durchaus das „klassische Konzept“: die Dampfdiffusion von innen nach außen wird auf der warmen Seite gestoppt (Dampfsperre) oder zumindest stark genug behindert (Dampfbremse), um die kalte Konstruktion vor Feuchtebelastung zu bewahren. Diese Lösung hat sich über Jahrzehnte in tausenden ausgeführten Maßnahmen bewährt, auch unter teilweise sehr rauen Bedingungen (z. B. in Schwimmhallen). Simulationen zeigen, dass bei üblicher Wohnraumnutzung ein Mindestwert der effektiven wasserdampf-diffusions-äquivalenten Dicke von sd,eff mehr als 15 m eingehalten werden sollte [AkkP 32]. Bei geeigneten Bahnen ist diese diffusions-äquivalenten Dicke im Produktdatenblatt angegeben. Wie das in der Praxis geht, wird hier beschrieben: Innendämmung klassisch mit Dampfbremse.

Für Lösung II, nämlich die „Verwendung von kapillaraktiven Dämmstoffen“ gibt es ebenfalls seit einigen Jahren erfolgreich ausgeführte Feldanwendungen mit guten Erfahrungen [AkkP 32]. Durch einen diffusionsoffenen (aber luftdichten) Aufbau mit einem kapillaraktiven Dämmstoff kann Wasserdampf eindiffundieren. Der kapillaraktive Dämmstoff nimmt nun allerdings einen Teil der Feuchtigkeit auf und speichert diese in den Poren. Dieses Sorbat wird durch Flüssigwassertransport im Material weitergeleitet. Gemäß des Gefälles der relativen Feuchtigkeit findet der Sorbatfeuchtetransport im Winter in Richtung „nach innen“ statt. Es wird aber gerade von Seiten der Praktiker davor gewarnt, „kapillaraktive Dämmstoffe“ als Allheilmittel für, aus welchen Gründen auch immer, feuchtebelastete Altbau-Außenwände einzusetzen, ohne die Ursachen für die Belastung abzustellen, denn der Feuchterücktransport (durch die Oberflächendiffusion) ist begrenzt. Hier gibt es Details zu dieser Ausführungsform: Ausblas-Innendämmung mit kapillaraktivem Dämmstoff.

Kompromisse bei der Dämmdicke von Innendämmungen sind unumgänglich: Die Empfehlung zur Dämmdicke bei Innendämmung liegt bei 40 bis 120 mm (Wärmeleitgruppe 035 bis 040 (= 0,035 bis 0,040W/(m²K))); regulär sind um 8 cm ein gutes Maß.

Die realisierten Beispiele zeigen, dass der „Wärmebrückenzuschlag“ bei ansonsten guter Planung im Bereich ΔUWB von 0,08 bis 0,15 W/(m²K) liegt (ohne Fensteranschlüsse, die gesondert behandelt werden müssen). Das ist in der Tat die entscheidende Erklärung dafür, warum sich mit Innendämmung nur ein kleineres Energiesparpotential erschließen lässt als mit Außendämmung [AkkP 32]; ein weiterer Grund sind die in der Regel nur geringeren Dämmdicken.

Potentiale für Energieeinsparung in deutschen Altbauten (aus [AkkP 32])

In der Abbildung sind die Energiesparziele für typische Altbauten zusammengestellt: Würde man die Dämmung der Außenwände ausschließen und erneuert nur alle anderen Bauteile durch Passivhaus-Komponenten, so ist der Heizwärmebedarf noch nicht einmal halbierbar. Mit einer hochwertigen Innendämmung lässt sich zusammen mit Passivhauskomponenten für die anderen Bauteile ein Heizwärmekennwert von um 55 kWh/(m²a) erreichen. Das ist sogar eine etwas höhere Verbrauchsreduktion als um einen „Faktor 4“. Ist eine Außendämmung möglich, so ergeben sich Reduktionspotentiale um die Größenordnung eines Faktors 10. Es zeigt sich: Mit Innendämmung ist in jedem Fall erheblich besser als ungedämmt, allerdings ist nach Möglichkeit die außenliegende Dämmung vorzuziehen - und das gilt nicht nur für die Energieeinsparung, sondern auch auch für nahezu alle weiteren Kriterien.

Siehe auch

Literatur


[AkkP 24] Einsatz von Passivhaustechnologien bei der Altbau-Modernisierung, Protokollband Nr. 24, Passivhaus Institut, Darmstadt

[AkkP 32] Passivhauskomponenten + Innendämmung, Protokollband Nr. 32, Passivhaus Institut, Darmstadt. Entscheidende Ergebnisse, um neue Materialien ergänzt, finden sich unter diesem Link in PASSIPEDIA: Innendämmlösungen.

1)
Als „aufsteigende Feuchte“ wird der Transport von flüssigem Wasser durch Poren(Kapillaren) z. B. in Mauerwerk bezeichnet: Vor allem, wenn es wie bei älteren Gebäuden keine Sperrschicht zum Boden hin gibt, wird Regen- oder Grundwasser z. B. von einer Kellerwand aufgenommen und dann (auch nach oben - daher „aufsteigend“) weitergeleitet. Wie erkennen ich das: Bspl. aufsteigende Feuchte
2)
dafür gibt es heute von Profis angebotene Verfahren
3)
Wie stelle ich das fest? Am besten durch Thermographie
4)
Das kann natürlich auch schon ohne Innendämmung im Falle eines Ausfalls der Heizung zum Problem werden. Es ist ratsam, dies vor dem nächsten Winter zu checken!
5)
ein weiteres Argument für eine außenliegende Dämmung
6)
Warme Raumluft enthält nämlich im Winter viel Wasserdampf (anwesende Personen!). Diese kühlt sich an der Oberfläche stark ab. Dann kann nicht mehr so viel Wasserdampf gehalten werden - und es kommt schlimmstenfalls zur Tauwasserbildung („Kondensat“).
7)
quantifiziert: q50 unter 0,6 m³/m²/h - das ist in etwa das Anforderungsniveau auch bei Neubau-Passivhäusern und das ist mit etwas Einweisung leicht auch beim Altbau erreichbar.
8)
z. B. der oben erwähnte Streifen in der Wand, in dem eine wasserführende Leitung liegt
9)
oder das Leitblech
10)
Da wird eigentlich nur sehr wenig Wasserdampf transportiert, bei klassischen Außenwänden sind es maximal etwa 5 g pro m² am Tag. Für die Feuchteabfuhr aus dem Raum spielt das keine Rolle - eine einzelne Person gibt allein etwa 2,4 kg Wasserdampf am Tag in die Innenluft ab. Aber: die paar Gramm können sich über den Jahresverlauf in einer falsch aufgebauten Wandkonstruktion anreichern. Das kann vor allem dann passieren, wenn der Wasserdampf innen leicht in die Konstruktion hinein, außen aber schwer weiter herauskommen kann.
baulich/waermeschutz_durch_innendaemmung.txt · Zuletzt geändert: 2022/05/19 17:02 von wfeist