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planung:haustechnik:lueftung:ohne_lueftungsgeraet_geht_es_nicht

Ohne Lüftungsgerät geht es nicht

Autor: Dr. Vajda József, Universität Pécs/Ungarn

In jedem Bau ist unser oberstes Ziel ein gesundes Raumklima. Dies wird durch Passivhäuser – neben dem geringen Energieverbrauch, den sie aufweisen – am besten gewährleistet; und zwar durch die

  • Erfüllung der thermischen Komfortkriterien, einschließlich der Vermeidung von lokalen Diskomfortbereichen (siehe dazu Thermische Behaglichkeit im Passivhaus),
  • kontrollierte Wohnungslüftung, wodurch eine ausgezeichnete Raumluftqualität sichergestellt wird.


Hier wird dargestellt, dass bei Fehlen einer kontrollierten Wohnungslüftung die CO2-Konzentration in der Raumluft rasch den Gesundheitsgrenzwert übersteigt.

Zur Beispielrechnung wurde hier ein Schlafzimmer (Raumvolumen 35 m3) belegt von 2 Personen zugrunde gelegt. Die weiteren Randbedingungen sind nachfolgend angegeben:

  • Die Fenster des Schlafzimmers sind während der Nacht geschlossen (wie das regelmäßig in der Praxis der Fall ist: um Kaltlufteinbruch im Winter zu vermeiden, Verkehrslärm, Insekten, äußere Staubbelastung, usw.).
  • Die Dichtheit des Raumes erfüllt das Passivhauskriterium (n50 < 0,6 h-1).
  • Der Windschutzkoeffizient ist e = 0,07 (mäßige Abschirmung), damit beträgt der Frischluftvolumenstrom durch verbleibende Fugen:

  • Die CO2-Konzentration der Außenluft ist 700 mg/m3, d.h. 360 ppm (nach der CR 1752).
  • Die CO2-Produktion der Raumbenutzer ist 18 l/(h×Person) (ruhender Zustand, 1-1,2 met).
  • Als Gesundheitsgrenzwert wird die Pettenkofer-Zahl betrachtet, d.h. 0,1 Vol. %.


Die durchgeführten Berechnungen zeigen, dass im vorliegendem Fall die Pettenkofer-Zahl bereits innerhalb der ersten Stunde übertroffen wird, und bis Ende der Schlafruhe erreicht die CO2-Konzentration nahezu einen Wert von 0.8 Vol.% (siehe die Tabelle, bzw. die Abbildung unten).

Zeit (h) 0 1 2 3 4 5 6 7 8
CO2
(Vol.%)
0,036 0,140 0,240 0,336 0,428 0,516 0,600 0,681 0,758

Tabelle: Zunahme der CO2-Konzentration im Schlafraum in Abhängigkeit der Zeit.

co2-konzentration_im_schlafraum.jpg
Abbildung: Verlauf der CO2-Konzentration im Schlafraum über der Zeit.


Ergänzung durch Wolfgang Feist: Auch wenn das Gebäude etwas weniger dicht ist, ändert sich nicht viel an diesem Ergebnis. Alle Neubauten und sanierten Altbauten sind heute so dicht, dass die Frischluftzufuhr im Schlafzimmer nicht allein durch die Fugenlüftung gewährleistet werden kann. Stattdessen wieder extrem undicht zu bauen - das kommt aus vielen Gründen nicht in Frage (siehe Luftdichtheit und Winddichtheit). Die andere Alternative, ständig Fenster geöffnet zu lassen, ergibt zu trockene Luft und nicht akzeptable Wärmeverluste. Und die dritte Möglichkeit: Sich nämlich alle 3 h den Wecker zu stellen, um dann fachgerecht „Stoß zu lüften“ - wer macht das schon?

Fazit

Will der Hauseigentümer, bzw. der Mieter sowohl im Neubau als auch im Altbau die Dichtheit des Hauses wegen der Energieeinsparung durch verschiedene Maßnahmen (z.B. nachträglicher Einbau von Dichtlippen in die Fenster) erhöhen, so wird dadurch eine gewisse Heizenergiemenge sicherlich eingespart, aber daneben kann eine schlechte, manchmal sogar gefährlich schlechte Raumluftqualität die Folge sein.

Um die Anforderungen an ein gesundes Raumklima und zugleich auch an hohe Energieeinsparung erfüllen zu können, ist in winterkalten Klimagebieten ein Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung zwingend erforderlich. Am besten ist es und wirtschaftlich am sinnvollsten, gleich alle Passivhauskriterien zu erfüllen, und sogleich ein Passivhaus zu bauen - oder nach EnerPHIT zu sanieren.

Siehe auch

planung/haustechnik/lueftung/ohne_lueftungsgeraet_geht_es_nicht.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/03 11:02 von cblagojevic