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Lüftungsanlagen mit automatischer Volumenstrombalance

Einleitung

Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sind für Passivhäuser unverzichtbar. Die durch die Wärmerückgewinnung deutlich reduzierten Lüftungswärmeverluste bilden die Grundlage einer starken Reduzierung und Vereinfachung des Heizsystems. Die Grundlagen zur Ausführung von Lüftungsanlagen in Passivhäusern wurden bereits ausführlich u.a. im [AkkP-17] „Dimensionierung von Lüftungsanlagen in Passivhäusern“ erarbeitet.

Auch bei energetischen Gebäudesanierungen spielt die kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung durch hohe Einsparpotentiale und der besseren Raumluftqualität eine immer größere Rolle. Zur Ausführung und Planung der Lüftungsanlagen gerade bei Gebäudesanierungen wird auf das [Bastian et al 2009] „Altbausanierung mit Passivhauskomponenten“ sowie auf den [AkkP-30] „Lüftung bei Bestandssanierung: Lösungsvarianten“ verwiesen.

Die Praxis zeigt jedoch, dass die Einsparung der Lüftungswärmeverluste durch falsch oder unzureichend abgeglichene Anlagen häufig nicht ausgeschöpft wird, was schon des Öfteren bei Messungen und Nachuntersuchungen von neuen Anlagen nachgewiesen wurde.

Bedeutung der Massestrombalance

Der Lüftungswärmeverlust eines Gebäudes ist neben den klimatischen Bedingungen und dem erforderlichen Außenluftwechsel im Wesentlichen abhängig von

  • dem Wärmebereitstellungsgrad des Lüftungsgerätes
  • der Luftdichtheit des Gebäudes und der damit einhergehenden freien In- und Exfiltration sowie
  • der Massestrombalance der Fortluft und Außenluft und der damit verbundenen erzwungenen In- und Exfiltration.

Neben Gebäudeluftdichtheit und Wärmebereitstellungsgrad der Lüftungsanlage hat auch die Balance des Fortluft- und Außenluftmassenstromes einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Lüftungswärmeverlust und damit auf die Energiebilanz des gesamten Gebäudes. Der Einfluss der Massestrombalance auf den Lüftungswärmeverlust wurde ausführlich durch Johannes Werner im [AkkP 17] erarbeitet:

Würde man allein die Zunahme der Verluste durch Disbalance der Massenströme bei konstanter Rückwärmzahl betrachten, ergäben sich sehr hohe Anforderungen an die Genauigkeit der Volumenstrommessung (Toleranz 5%). Unter Feldbedingungen wäre dies mit vertretbarem Aufwand nicht machbar. Außerdem verändern sich die Massenstromverhältnisse im Lauf der Zeit beispielsweise aufgrund zunehmenden Druckabfalls an Filtern oder wechselnden wetterbedingten Stördrücken, so dass für hohe Konstanz eventuell sogar eine aktive Mess- und Regeltechnik notwendig wäre.

In Wirklichkeit beeinflussen sich die oben genannten Effekte gegenseitig. Bei Disbalance ändert sich der Wärmebereitstellungsgrad, außerdem entsteht eine systematische Druckdifferenz an der Gebäudehülle, die die freie Infiltration verringert.

Die Abhängigkeit der nach [EN 832] berechneten Lüftungswärmeverluste vom Balancegrad der Zu- und Abluftmassenströme ist in
“ (Abbildung 1) „dargestellt. Dabei wurde eine Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle mit n50 = 0,5 h-1 und die Luftwechselrate der Anlage mit 0,5 h-1 angesetzt. Der Wärmebereitstellungsgrad beträgt bei vollständiger Balance 80% und ändert sich mit dem Massenstromverhältnis nach [Recknagel 1990] . Deutlich ist zu sehen, wie die durch erzwungene Infiltration bedingten Verluste mit wachsender Disbalance stark zunehmen. Bei einer Disbalance von 10% liegt dieser Anteil schon bei 3 kWh/(m²a), was einer Zunahme der Lüftungswärmeverluste gegenüber vollständiger Balance um etwa 37% entsprechen würde. Durch die Verringerung der Verlustbeiträge der Anlage und der freien Infiltration liegt der Nettozuwachs tatsächlich unter 0,5 kWh/(m²a) (+5%). Bei einer Disbalance von 20% ist allerdings ein deutlicher Anstieg um 1,5 kWh/(m²a) (+19%) zu verzeichnen. Als Forderung daraus lässt sich für Passivhäuser ein zulässiger Fehler des Massenstromabgleichs von etwa 10% ableiten. Dies kann mit akzeptablem Aufwand erreicht werden, wenn die notwendigen Messeinrichtungen schon im Zuge der Anlagenplanung berücksichtigt wurden.[Werner 1999]

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Abbildung 1: Einfluss der Disbalance von Zu- und Abluftmassenstrom auf die
resultierenden Lüftungswärmeverluste des Gebäudes unter Passivhaus-Rand-
bedingungen (n50=0,5 h-1, effektiver Wärmebereitstellungsgrad 80%,
Luftwechselrate 0,5 h-1) [Werner 1999]


Wird eine Lüftungsanlage beispielsweise mit Abluftüberschuss betrieben, so strömt die Differenz zum Außenluftstrom, wie in Abbildung 2 durch den sich einstellenden Unterdruck im Gebäude durch Undichtigkeiten nach. Dieser Luftstrom umgeht die Wärmerückgewinnung und geht in der Energiebilanz des Gebäudes als Wärmeverlust ein.

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Abbildung 2: Bilanzgrenze für ein Gebäude inkl. Wohnungslüftungsanlage
[Feist 1999]


Energetisch gesehen den gleichen Nachteil bringt der Zuluftüberschuss mit sich. Durch den sich einstellenden Überdruck im Gebäude gelangt erwärmte Raumluft (am Wärmeübertrager vorbei) durch Undichtigkeiten in der Gebäudehüllfläche nach außen. Bauphysikalisch ist der Zuluftüberschuss jedoch als sehr viel kritischer zu betrachten:

Wenn die feucht-warme Raumluft auf dem Wege über Undichtigkeiten nach außen die thermische Gebäudehülle durchdringt, kann an dieser Stelle die Feuchtigkeit auskondensieren und es kann zu Bauschäden durch Schimmelbildung kommen.

Ventilatorabgleich im Zuge der Inbetriebnahme

Der Abgleich der Volumenströme wird an den Ventilatoren vorgenommen. Dafür erfolgt zunächst eine Einregulierung der Luftmengen bei Nennvolumenstrom durch Verstellen der Zu- und Abluftdurchlässe. Die Einstellung der Volumenströme erfolgt entweder gemäß Messvorschriften des Herstellers mit einem Differenzdruckmessgerät (Auflösung min. 0,1 Pa, Messgenauigkeit 1% vom Endwert) oder aber genauer mit einem Volumenstrommessgerät z.B. der Firma Acin Instrumenten BV/ Niederlande mit nur sehr geringer Beeinflussung durch zusätzliche Druckverluste (Messprinzip mit Druckverlustkompensation durch Stützventilator).

Nach der Volumenstromeinstellung an den einzelnen Ventilen muss die Gesamtabluft- und Gesamtzuluftmenge am Lüftungsgerät eingestellt werden. Voraussetzung für die genaue Volumenstrombestimmung sind Messblenden zur Differenzdruckmessung im zentralen Abluft- und Zuluftstrang. Die Anpassung der Volumenströme sowie die Einstellung der Volumenstrombalance erfolgt am Bedienelement des Gerätes durch Drehzahländerung der Ventilatoren.

Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme der Anlage sollte der Zuluft und Abluftmassenstrom ausgeglichen sein. Doch selbst bei einem sehr genauen Abgleich der Ventilatoren ist der Zustand der Massenstrombalance leider nicht von Dauer. Die im Abluft und Außenluftstrang angeordneten Filter verschmutzen unterschiedlich und haben damit unterschiedliche Druckverlustschwankungen im Außenluft und Abluftstrang zur Folge. Diese Druckverlustschwankungen verursachen mit der Zeit automatisch eine Disbalance der Anlage, die sich mit steigendem Filterdruckverlust immer weiter erhöht.

Gefragt sind also Anlagensysteme, die bei Druckverlustschwankungen automatisch den Volumenstrom nachregeln und somit eine dauerhafte Volumenstrombalance sicherstellen.

Systeme der automatischen Volumenstrombalance

Folgend werden verschiedene Varianten beschrieben, die einen automatischen Volumenstromabgleich ermöglichen.

Drehzahl- und Leistungsaufnahme am DC-Ventilator

Eine Möglichkeit des automatischen Balanceabgleichs ist die Drehzahl des Ventilators so nachzuregeln, dass der Volumenstrom auch bei sich ändernden Druckverhältnissen (verschmutzter Filter) konstant gehalten wird. Dies kann abhängig vom Ventilatortyp mit zwei unterschiedlichen Regelkonzepten erreicht werden:

Das erste Regelkonzept beruht ausschließlich auf der Information der Motodrehzahl und der Leistungsaufnahme. Auf die Erfassung des Volumenstromes kann komplett verzichtet werden, wenn der Zusammenhang zwischen Motorbelastung und Luftleistung des Ventilators eindeutig ist. Bei vorwärtsgekrümmten Ventilatoren beispielsweise ist diese Voraussetzung gegeben. Wie in Abbildung 3 ersichtlich haben bei vorwärtsgekrümmten Ventilatoren die Leistungskurven und die Drehzahlkurven ihren Schnittpunkt immer genau bei einem Volumenstrom. Der Betriebspunkt des Ventilators ist durch ein hinterlegtes Kennfeld genau bestimmt. Der aktuelle Betriebspunkt kann aus Leistungsaufnahme und Drehzahl mittels Näherungsfunktionen bestimmt werden. Über die Ventilatorelektronik wird der Ist-Wert mit dem Sollwert verglichen und die Drehzahl entsprechend nachgeregelt.

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Abbildung 3: Kennlinie eines Radialventilators mit vorwärtsgekrümmten
Schaufeln [Gebhardt 2010]


Bei rückwärtsgekrümmten Ventilatoren ist die exakte Bestimmung des Betriebspunktes etwas schwieriger, da hier, wie in Abbildung 4 zu sehen ist, der Zusammenhang zwischen dem Wertepaar Motorleistung und Drehzahl und dem Volumenstrom nicht eindeutig ist. In diesem Fall ist die Zusatzinformation über den geförderten Volumenstrom nötig. Der Volumenstrom kann beispielsweise über eine Ringmessleitung am Ventilator (Druckmessung an der Einströmdüse des Ventilators) ermittelt werden. Der Betriebspunkt lässt sich dann aus der Drehzahl und dem Sensorsignal bestimmen und wird den Vorgaben entsprechend nachgeregelt.

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Abbildung 4: Kennlinie eines Radialventilators mit rückwärtsgekrümmten
Schaufeln [Gebhardt 2000]


Druckmessung durch Staukreuz

Eine andere Möglichkeit der automatischen Volumenstrombalance beruht auf der Messung des dynamischen Druckes im Kanalquerschnitt. In runden Kanalquerschnitten wird auf zwei senkrecht zueinander stehenden Durchmessern mittels Staurohr an definierten Punkten der dynamische Druck gemessen. In Abbildung 5 ist ein solches Staukreuz dargestellt. Die Geschwindigkeit an den einzelnen Messstellen und der zu ermittelnde Volumenstrom ergeben sich wie folgt:


\Large{w =\sqrt{\frac{2 \cdot p_{d}}{\rho}}}

und


\Large{q = A \cdot w_{m}}


Regelungstechnisch muss es einen Abgleich geben zwischen Ist- und Sollwert des Anlagenvolumenstromes. Bei Abweichung erfolgt entsprechend eine Nachregelung der Ventilatordrehzahl.

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Abbildung 5: Staukreuz [Bastian et al 2009]


Die Genauigkeit dieser Messung liegt bei einer Messtoleranz von weniger als +/-5% des Messwertes. Nachteilig ist jedoch der dauerhafte (wenn auch geringe) Druckverlust der im System erzeugt wird und den der Ventilator zusätzlich überwinden muss. Weiterhin ist für eine exakte Messung vor der Messstelle eine Beruhigungsstrecke von mindestens 4*D notwendig, was gerade bei kleinen Anlagen für nur eine Wohneinheit oftmals schwierig zu realisieren ist.

Dieses Messprinzip wäre theoretisch auch mit Messblenden (z.B. Irisblenden) denkbar, der resultierende Einbaudruckverlust der Blende ist jedoch unverhältnismäßig hoch, sodass davon abgeraten wird.

Anemometer in definierten Kanalquerschnitten

Eine weitere Variant der automatischen Volumenstrombalance ist die Messung der Strömungsgeschwindigkeit in definierten Kanalquerschnitten mit Hilfe von Hitzdrahtanemometern. Das Geschwindigkeitsprofil im Kanalquerschnitt ist auf Grund von Einbauteilen, Abzweigen oder Richtungsänderungen an den meisten Stellen gestört.

Normalerweise sollte deswegen die Messung mit Hitzdrahtanemometern, um möglichst genaue Ergebnisse zu erzielen, nach Netzmessung erfolgen. Das heißt die Messung der Strömungsgeschwindigkeit sollte in möglichst vielen Flächenelementen des Leitungsquerschnittes erfolgen um nachher über dem flächengewichteten arithmetischen Mittel die mittlere Strömungsgeschwindigkeit zu erhalten. Die Netzmethode ist unter anderem geeignet um bei der Inbetriebnahme die Lüftungsanlage richtig einzuregulieren. Für eine dauerhafte Messung ist diese Methode weniger geeignet, zu hoch sind der Aufwand und der Druckverlust durch mehrere Sensoren über dem Querschnitt. Um nur mit einem Sensor die Strömungsgeschwindigkeit in einem Kanalquerschnitt möglichst genau bestimmen zu können, muss also die Platzierung des Sensors durch den Hersteller genau bedacht werden. Zum einen wird eine ausreichende Beruhigungsstrecke benötigt zum anderen muss die Lage des Sensors im Kanalquerschnitt durch Laborversuche genau bestimmt werden.

Für einen automatisch balancierten Betrieb ist ein Sensor jeweils im Abluftstrang wie auch im Zuluftstrang zu installieren. Der sich über die Gleichung


\Large{q = A \cdot w_{m}}


ergebende Volumenstrom wird mit dem Sollwert der jeweils zugehörigen Temperatur verglichen (das Temperatur-Volumenstromkennfeld muss werkseitig in der Geräteelektronik hinterlegt sein). Bei Abweichungen werden die Ventilatoren entsprechend nachgeregelt. Da die Platzierung der Sensoren und die Ausprägung der Strömung im entsprechenden Kanalquerschnitt gewisse Unsicherheiten mit sich bringen und außerdem die exakte Ausrichtung der Sensoren Schwierigkeiten bereiten kann, wird empfohlen diese Methode mit fertigen Formteilen des Herstellers durchzuführen: z.B. ein Kanalstück der länger der erforderlichen Beruhigungsstrecke mit vorinstallierten Sensoren.

Druckabfall über dem Wärmeübertrager

Der Druckverlust über dem Wärmeübertrager bildet bei den Lüftungsanlagen der Firma Atrea/ Tschechien die Grundlage für den automatischen Abgleich der Volumenströme.

Ähnlich wie das vorherbeschriebene System beruht auch hier der Abgleich der Volumenströme auf einer Druckmessung im System. Hier wird allerdings gezielt der Druckabfall über dem Wärmeübertrager bestimmt. Grundlage ist die Annahme, dass der Druckabfall des Wärmeübertrager im Gegensatz zum Druckabfall der Filter den gesamten Betrieb über konstant bleibt. So ist der gemessene Druckverlust über dem Wärmeübertrager ein gutes Maß für den tatsächlichen Volumenstrom: sinkt der Anlagenvolumenstrom auf Grund steigender Filterdruckverluste, so wird dies über den ebenfalls sinkenden Druckverlust über dem Wärmeübertrager durch die Regelungstechnik erkannt und der Ventilator regelt automatisch nach, bis der Sollwert wieder erreicht ist.

Die genaue Lage der Sensoren muss im Vorfeld durch Labormessungen exakt bestimmt werden. Durch die Messung des statischen Druckes in beiden Luftsträngen (Außenluft-Zuluft sowie Abluft-Fortluft) mit jeweils einem Drucktransmitter vor und nach dem Wärmeübertrager, wird der Druckverlust ermittelt. Auf die Wahl der richtigen Messstelle muss hier besonders Wert gelegt werden, damit die Messung der statischen Drücke nicht durch dynamische Drücke beeinflusst wird. Die Anzahl der Drucksensoren birgt hier eine gewisse Unsicherheit. Sehr vorteilhaft dagegen ist, dass im Gegensatz zum Staukreuz im System kein zusätzlicher Druckverlust entsteht.

Enthalpiedifferenz an Wärmeübertragern

Dieses System der Volumenstrombalance kommt in den Lüftungsgeräten der Firma Lufttechnik Schmeißer GmbH zum Einsatz. In [Schmeißer 2006] wird die Funktionsweise, die hier sinngemäß wiedergegeben wird, ausführlich beschrieben.

Dieses System beruht auf der Ermittlung der Enthalpieänderung über dem Wärmeübertrager. Es wird angenommen, dass bei konstanten Masseströmen die Enthalpieänderung von Abluft zu Fortluft sowie von Außenluft zu Zuluft im Betrag gleich sind. Diese Annahme bedingt geräteseitige Voraussetzungen wie ein dichtes und gut gedämmtes Gehäuse, damit keine Luft und Wärme über den Wärmetausche verloren geht. Weiterhin müssen die Sensoren jeweils direkt am Wärmeübertrager angeordnet sein, um Messungenauigkeiten durch Ventilatorabwärme zu vermeiden. Gemessen werden jeweils in Außenluft, Zuluft, Abluft und Fortluft die Temperatur und die relative Luftfeuchte. Aus dem hinterlegten hx-Diagramm ergeben sich die fehlenden Größen Dichte und Enthalpie.

In Abbildung 6 und Abbildung 7 ist das Regelprinzip beispielhaft dargestellt. Aus den gemessenen Temperaturen und Luftfeuchten ergeben sich die Enthalpieänderungen von Außenluft zu Zuluft sowie von Abluft zu Fortluft. Bei Massenstrombalance wie in Abbildung 6 dargestellt, sind die Enthalpieänderungen konstant. Eine Massenstromdisbalance wie in Abbildung 7 dargestellt ist feststellbar an unterschiedlichen Enthalpieänderungen. In diesem Fall kann der tatsächliche Massenstrom der Fortluft dann aus der Soll-Energiedifferenz und der vorhandenen Enthalpiedifferenz ermittelt werden und mit dieser Information der Ventilator entsprechend nachgeregelt werden.

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Abbildung 6: Beispiel für Massenstrombalance [Schmeißer2006]


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Abbildung 7: Beispiel für Massenstromdisbalance [Schmeißer2006]


Zusammenfassung/ Bewertung der einzelnen Systeme

Ein balancierter Lüftungsbetrieb reduziert nicht nur den Lüftungswärmeverlust und wirkt sich damit positiv auf die Energiebilanz des gesamten Gebäudes aus, er ist auch aus bauphysikalischer Sicht Bedeutsam um Bauschäden durch Kondensatanfall vorzubeugen, wie zu Beginn des Berichtes erläutert wurde.

Im Bericht wurden einige Systeme beschrieben die einen automatischen Volumenstromabgleich ermöglichen. Die unterschiedlichen Systeme sind nicht alle gleichermaßen geeignet die Volumenstrombalance genau und wirklich dauerhaft zu realisieren. So ist die Drehzahl- und Leistungsaufnahme am DC-Ventilator allein auf Grund der eindeutigen Zuordnung zu den entsprechenden Betriebspunkten, genaugenommen nur für vorwärtsgekrümmte Ventilatoren geeignet. Da die vorwärtsgekrümmten Ventilatoren durch ihren mäßigen Wirkungsgrad immer mehr durch andere Lösungen verdrängt werden, sollten bei effizientere Ventilatoren die Variante 2 Drehzahlaufnahme in Verbindung mit Volumenstrommessung zum Einsatz kommen (auch für Rückwärtsgekrümmte Ventilatoren geeignet).

Der Volumenstromabgleich mittels Staukreuz ist mit einer Messtoleranz von weniger als 5% noch ein recht genaues System, nachteilig ist der dauerhafte Druckverlust, der zusätzlich vom Ventilator überwunden werden muss, denn um eine möglichst hohe Genauigkeit zu erzielen sollte das Staukreuz mindestens eine Nennweite kleiner gewählt werden als das Kanalnetz.

Die Messung des Volumenstromes durch festinstallierte Hitzdrahtanemometer ist zwar eine vergleichsweise einfache Methode, kann aber auch sehr ungenau sein. Die für genaue Messungen notwendige Beruhigungsstrecke ist oft nicht gegeben. Außerdem muss der Sensor für eine genaue Messung exakt entgegen der Strömungsrichtung ausgerichtet sein – was eine nicht unwesentliche Fehlerquelle ist. Ein dauerhafter, ausreichend genauer Volumenstromabgleich kann nur unter o.g. Bedingungen erreicht werden.

Die letzten beiden Systeme: die Messung des Druckabfalls über dem Wärmeübertrager sowie die Bestimmung der Enthalpiedifferenz über dem Wärmeübertrager, sind vorteilhaft, da keine zusätzlichen Druckverluste ins System eingebracht werden und alle notwendige Messtechnik schon im Gerät integriert ist. Über den dauerhaften Betrieb liegen leider noch keine ausreichenden Erkenntnisse vor.

Formelzeichen

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Siehe auch

Literatur

[AkkP-17] Dimensionierung von Lüftungsanlagen in Passivhäusern; Protokollband Nr. 17 des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser Phase II; Passivhaus Institut; Darmstadt 1999.

[AkkP-30] Lüftung bei Bestandsanierung; Protokollband Nr. 30 des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser Phase III; Passivhaus Institut; Darmstadt 2004.

[Bastian et al 2009] Bastian, Z. et. al.: Altbaumodernisierung mit Passivhaus-Komponenten; Passivhaus Institut, Darmstadt 2009

[Feist 1999] Feist, W. (Herausgeber): Dimensionierung von Lüftungsanlagen in Passivhäusern; Protokollband Nr. 17 des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser Phase II, Passivhaus Institut, Darmstadt 1999.

[Werner 1999] Werner, Johannes und Laidig, Matthias: Grundlagen der Wohnungslüftung im Passivhaus. In: Arbeitskreis kostengünstige Passivhäuser, Protokollband Nr. 17, Dimensionierung von Lüftungsanlagen in Passivhäusern, Darmstadt, Passivhaus Institut, Oktober 1999.

[Recknagel 2009] Recknagel, Sprenger, Schramek: Taschenbuch für Heizung und Klimatechnik, Oldenbourg Industrieverlag München, 74. Auflage, München 2009

[Gebhardt 2010] Radialventilatoren für Riemenantrieb; PDF: DE-TD3.1-CFB – PDF1-08.2010

[Gebhardt 2000] RZP technische Dokumentation 2; PDF: D - RV3.2 - RZP-60308-1000-04.2000

[Reichert 2005] Reichert, E.: Ventilatoren mit druck- und volumenstromkonstanter Regelung, KI Luft und Kältetechnik, 2005, http://ki.all-industry.de/ai/resources/ac656081a74.pdf, 30.11.2010

[Wagner 2007] Wagner, W.: Lufttechnische Anlagen: Ventilatoren und Ventilatorenanlagen, Vogel industrie Medien GmbH & Co.KG Würzburg, 2. Auflage 2007, Würzburg

[Atrea 2010] Schriftliche und Mündliche Auskünfte der Firma Atrea, http://www.atrea.cz/en/

[Schmeißer 2006] Schmeißer,T.: Neue Tendenzen in der Gebäudetechnik. In: 10. Internationale Passivhaustagung 2006 Hannover, Darmstadt, Passivhaus Institut, 2006

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