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baulich:waermedaemmverbundsystem

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Wärmedämmverbundsystem

Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist eine kostengünstige Lösung für die Wärmedämmung von Außenwänden von der Außenseite. Auf der alten Wandoberfläche werden Dämmplatten1) montiert - geklebt oder gedübelt. Der wesentliche Anspruch an das Material ist, dass es sich als Putzträger eignet: Darauf wird ein armierter Unterputz angebracht und darauf wieder eine Oberflächenschicht nach Wahl der Eigentümer (verschiedene Oberputze sind verfügbar aber auch Verblender wie z.B. Keramikplatten). Die Wetterschutzschicht (Unter- und Oberputz bzw. Platten) muss wasserabweisend und diffusionsoffen2) sein.

Empfehlungen:

  • Prüfen Sie die Tragfähigkeit der alten Wandoberfläche: Im Zweifel beim Altbau eher dübeln.
  • Nicht bei der Dämmdicke sparen! Das Dämmmaterial ist der kostengünstigste Teil des gesamten Systems und der Arbeitsaufwand ändert sich kaum, wenn dickere Dämmplatten verwendet werden. Alles andere wird nur noch besser im Ergebnis. Wenn nur wenig Platz zur Verfügung steht3), empfehlen wir die Verwendung von Hochleistungsdämmstoffen mit niedrigen Wärmeleitfähigkeiten4)
  • Die Grundempfehlung ist: Entscheiden Sie für ein Komplettsystem eines Systemanbieters; die einzelnen Bestandteile sind dann aufeinander abgestimmt, was den Bauablauf erleichtert. Es gibt zahlreiche zertifizierte Wärmedämmverbund-Systeme für das Passivhaus - mit unterschiedlichen Materialen; die eignen sich alle auch für die Modernisierung bestehender Gebäude.
  • Die Dämmschicht darf NIEMALS hinterlüftet werden5)! Bei Schienensystemen also aufpassen, dass rundum für Luftdichtheit gesorgt wird.6).
  • Für eine besonders lange Haltbarkeit empfehlen wir ein mineralisches Putzsystem. Das ist dicker, in der Regel auch etwas teurer, aber dafür hält das viele Jahrzehnte7).
  • Vermeiden von Wärmebrücken: Eine außenliegende Dämmung hat hier von vorn herein Vorteile:
    • Viele wärmebrückenkritische „Probleme“ tauchen gar nicht erst auf: Die Geschoßdeckeneinbindungen werden automatisch mitgedämmt, ebenso wie die Kanten und Ecken des Gebäudes.
    • Da, wo beim konventionellen Bau manchmal etwas Nachlässigkeit vorliegt, lässt sich das mit gut dokumentierten Details leicht vermeiden: Die Fensterlaibungen immer mitdämmen - auch wenn das mal nur „dünn“ gehen sollte. Auch eine dünne Dämmung ist hier besser als gar keine Dämmung. Den unteren Abschluss weit genug über die unterste Geschossdecke fortsetzen. Auf einen guten Übergang z.B. zur Dachdämmung achten.
    • Selbst wenn, was im Altbau durchaus vorkommen kann (z.B. auskragende Balkone), bei einer Außendämmung ausnahmsweise ein Bereich nicht wärmebrückenfrei ausgeführt werden kann8), sind die so verbleibenden Wärmebrücken durch die ringsum angebrachte Dämmung „entschärft“9). Durch die Außendämmung wird nämlich das Mauerwerk des Regelaufbaus im Umfeld der Wärmbrücke deutlich wärmer als ohne die Dämmung - das strahlt auch auf die übrigen Stellen aus, so dass zwar ein höherer Wärmeverlust in diesem Bereich entsteht, aber die Temperaturen10) im unkritischen Bereich bleiben.
Wenn die auskragende Balkonplatte als Wärmebrücke übrigbleibt - im Fall einer außen angebrachten Dämmung, dann werden die Temperaturabsenkungen aber immer noch genügend entschärft; vorausgesetzt, die Dämmung ist dick genug (letztes Bild rechts). Natürlich bleiben die Wärmeverluste durch die Platte ein ärgerlicher Wärmebedarf; insgesamt reduziere sich die Heizkosten aber doch beträchtlich. Situationen wir diese sind es, weshalb für den Altbau EnerPHit empfohlen wird - ein wirtschaftliches Vorgehen, das auf den Passivhaus-Qualitäten beruht, sich aber der vorgefundenen Altbausituation anpasst..


Analyse: Wirklich Energie gespart?

Weil das in Diskussionen immer wieder ein Thema ist: auch Wärmedämm-Materialien brauchen natürlich Energie für die Herstellung (sog. „graue Energie“). Das ist aber im vergleich zu der Einsparung, die durch die Dämmmaßnahme erreicht wird, sehr wenig; selbst im Fall konventioneller Dämmstoffe! In der ersten der nachfolgenden Diagramm vergleich wir den Primärenergieverbrauch (PE) durch einen Quadratmeter ungedämmter Altbauwand in nur einem Jahr mit der Summe aus gesamtem Herstellungs-PE-Energieaufwand11) und dem „Restverbrauch“ für eine n nachträglich gedämmte Wand in acht Varianten. Alle (bis auf die HolzF-Dämmung) sparen bereits im 1. Jahr ganz beträchtlich Energie ein und holen somit schon in der ersten Heizperiode ihren jeweiligen Herstellungsaufwand wieder herein12).

Natürlich muss dies jeweils über die gesamte Lebensdauer betrachtet werden. Selbst wer dafür weniger als 20 Jahre ansetzt, erzielt bei einer ausreichend dicken Außendämmung Einsparungen von über 80% in der Bilanz (zweites Diagramm).

Primäenergie-
Einsparung
schon im
1.Jahr
erheblich
bei fast
allen
Materialien
(um 60%).
Einzige
Ausnahme
wg. Energie-
aufwand
zur Trocknung.
Die Primäenergie-
Einsparung
über 20
Jahre
ist unabh.
vom Material
ganz erheblich
(um 90%).

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1)
unterschiedlichster Materialien
2)
Der einzige bedeutende Fehler, der beim WdVS gemacht werden kann: Eine dampfdichte Schicht an der Außenseite - auch wenn es „nur“ eine Farbe ist. Auch traditionelle Putzfassaden vertragen das nicht: Der von innen nach außen diffundierende Wasserdampf kann dann ausgerechnet an der „kältesten Stelle“ nicht weiter. Kondensat und Absprengungen sind dann die Folge. Putzfassade? Immer nur nach außen diffusionsoffen!
3)
weniger als 15 cm
4)
bis herunter zu 0.024 W/(mK) ist mit klassischen Verfahren verfügbar. Mit Vakuum-Dämmplatten geht es noch „dünner“, da ist aber besondere Sorgfalt bei der Durchführung angesagt (es erklärt sich von selbst, dass Vakuumdämmplatten nicht geschnitten und auch nicht angebohrt werden dürfen).
5)
Wie ein Bauphysik-Kollege das ausgedrückt hat: „Die Wärmedämmung hätten Sie auch in den Garten legen können“
6)
Schäden entstehen bei Außendämmung durch einen solchen Fehler allerdings nicht, es sei denn, da läuft auch noch Wasser rein. Es ist nur schade um den ganzen Arbeitsaufwand…
7)
siehe den Bericht zur Nachuntersuchung: Durability Passive House
8)
oder das unangemessen teuer würde, wie z.B. das Abschneiden von Balkonen
9)
vor allem wenn diese Dämmung, wie von uns empfohlen, dick genug ist
10)
fest immer
11)
inkl. Kleber und allen Putzschichten
12)
gerechnet wurde hier mit einer Erdgas-Heizung
baulich/waermedaemmverbundsystem.1651676097.txt.gz · Zuletzt geändert: von wfeist