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Treibhauseffekt und Klimaschutz

Inzwischen haben es fast alle gemerkt: „Unsere Erde hat Fieber“ titelte die „Bild“-Zeitung am 5. November 2006 auf der ersten Seite. Am 2. Februar 2007 hat das IPCC („Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen“) seinen neuen Bericht „Climate Change 2007“ publiziert. Allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass es an der Zeit ist zu handeln.

Unser Institut hat sich dem Aufzeigen von Schreckensvisionen immer enthalten. Der Wissenschaft sind die Zusammenhänge bereits seit Ende der siebziger Jahre bekannt: Kohlenstoff war ursprünglich in großen Mengen als CO2 in der Erdatmosphäre vorhanden. Niederschläge und Pflanzen haben dieses CO2 im Laufe von Jahrmilliarden bis auf einen kleinen Rest von unter 0,03% aus der irdischen Lufthülle ausgewaschen und gebunden, z.B. in Form von Kohle, Erdöl und Erdgas. Seit gut zwei Jahrhunderten holen nun wir Menschen diesen Kohlenstoff wieder in großen Mengen aus seinen Lagern und nutzen ihn als Energieträger. Die kohlenstoffhaltigen Brennstoffe werden verbrannt - dabei entsteht wieder CO2. Und dieses CO2 wird wieder dahin zurückbefördert, wo es vor hunderten von Millionen Jahren einmal herkam: in die Atmosphäre.

Dass dies zu schweren und nicht wünschenswerten Veränderungen des Weltklimas führen kann, ist ebenfalls lange bekannt. Auf unserem Nachbarplaneten Venus herrschen an der Oberfläche höllische Temperaturen von um 450 °C. Verantwortlich denkende und handelnde Menschen, wie unser früherer Umweltminister Prof. Klaus Töpfer, haben schon seit vielen Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass die Menschheit mit ihrem ungebremsten Konsum an Brennstoffen die globale Erwärmung auslöst. Wer es wissen will, kann sich informieren: Es gibt viele seriöse wissenschaftliche Informationsquellen, allen voran das IPCC (Internet Seite), dem Wissenschaftler aus fast allen Ländern dieser Welt angehören (eine gute Aufbereitung der Daten findet sich auf dieser englischsprachigen Seite: http://www.globalwarmingart.com).

venus.jpgUnser Nachbarplanet Venus (Radarbild NASA):

Oberflächentemperaturen bei 450°C,
vor allem Dank CO2-Konzentration von 96%.
Die Erde aus dem All (Foto NASA):

Derzeitige CO2-Konzentration: 0,038 %
Mittlere Oberflächentemperatur: 15,5 °C.

Der wunderbare blaue Planet mit idealen
Bedingungen für flüssiges Wasser und
vielfältige Lebensformen…


Das Passivhaus Institut muss den verfügbaren guten Informationen über den Klimawandel hier keine zusätzlichen hinzufügen. Die Folgen einer weiteren ungedämpften Abgabe von Treibhausgasen in die Atmosphäre können furchtbar und nicht umkehrbar sein. Auch dies wird allmählich deutlich, weil Teile der Folgen bereits heute für alle leicht zu erkennen sind, wie z.B. die Gletscherschmelze.

Das Nordpolargebiet (Foto: NASA): ein Thermometer.

Die Temperaturen erhöhen sich in den letzten Jahrzehnten
so stark, dass sich das Eis großflächig zurückzieht und uns
dadurch die Temperaturerhöhung anzeigt.

Ein anderes Langzeit-Thermometer sind die Gletscher:
Der folgende Artikel in Wikipedia behandelt den
Sachverhalt: Gletscherschmelze.



Aber: Diese Entwicklung ist nicht unvermeidbar. Die schlimmsten Folgen können durch verantwortliches Handeln auch heute noch vermieden werden.

Das Passivhaus Institut arbeitet seit seiner Gründung an der Entwicklung von Konzepten, die helfen, die schlimmsten Folgen abzuwenden. Und das ist die gute Nachricht:

Es gibt eine große Vielzahl von Möglichkeiten, die weitere Abgabe von CO2 in die Atmosphäre stark zu beschränken.

Und diese Möglichkeiten erfordern nicht etwa den Verzicht auf Wohlstand, Wachstum und Behaglichkeit. Ganz im Gegenteil:

Sie bieten sogar eine Chance, das Wirtschaftsleben nachhaltiger, humaner und zukunftsoffener zu gestalten und unser Leben angenehmer zu machen.


Klimaschutz muss heute beginnen. In dieser Reihe werden Seiten folgen, die Möglichkeiten für praktisches Handeln zeigen. Handeln, dass sich nicht in schönen oder radikal klingenden Worten erschöpft. Handeln, das dazu beiträgt, den Klimawandel so zu begrenzen, dass wir unseren Kindern und Enkeln eine Erde überlassen können, in der das Leben weiterhin lebenswert ist.

Wo liegen die Ursachen? Der Energieverbrauch

Der Klimawandel wird vor allen Dingen durch den Energieverbrauch verursacht.

Etwa 85% des heutigen weltweiten Energieverbrauchs wird aus Erdöl, Erdgas und Kohle gedeckt. Diese Brennstoffe werden auch „fossile Energieträger“ genannt. Sie bestehen im Wesentlichen aus den Elementen Kohlenstoff und Wasserstoff - bei der Verbrennung werden die Energieträger in CO2 und Wasser (H2O) verwandelt.

Heute werden diese Verbrennungsgase überwiegend (zu über 99%) einfach an die Atmosphäre abgegeben. Während dies für das Wasser unproblematisch ist, erhöht sich der globale CO2-Gehalt durch die Verbrennung der fossilen Energieträger ständig, deutlich und messbar (vgl. die folgende Abbildung).

Das CO2 in der Atmosphäre behindert die Wärmeabstrahlung von der Erdoberfläche in das (sehr kalte) Weltall, da CO2 ausgerechnet in den wenigen Spektralbereichen, in denen die Atmosphäre für Temperaturstrahlung durchlässig ist, diese Strahlung wieder absorbiert.

CO2 wirkt dadurch wie eine zusätzliche Wärmedämmschicht um die Erde: Eine Dämmschicht, die aber für die eintreffende Sonnenstrahlung durchlässig ist. Die Sonnenstrahlung ist die Hauptenergiezufuhr an die Erdoberfläche: In sehr guter Analogie spricht man daher auch vom Treibhauseffekt.


Die Zunahme des CO2-Gehaltes in der Erdatmosphäre
Diese Zeitreihe wurde aus quantitativ analysierten Luftproben des
Mauna Loa Observatoriums auf Hawaii gewonnen. Gut ist der
Jahresgang des CO2-Gehalts durch den Vegetationswechsel auf
der Nordhalbkugel zu erkennen. Seit 1900 hat die Konzentration
an CO2 von 293 auf 380 ppm, also um 30%, zugenommen. Das
zusätzliche CO2 stammt fast ausschließlich aus Verbrennungs-
prozessen. (1ppm = 1 part per million = 0,0001 %). Quelle der
Daten: [C.D. Keeling, T.P. Whorf, and the Carbon Dioxide
Research Group Scripps Institution of Oceanography (SIO)],
University of California, La Jolla.


Vereinfachtes Schema zur Wirkung der Treibhausgase: Die durch die Sonne erwärmte Erdoberfläche strahlt als Temperaturstrahler im langwelligen (infraroten) Bereich. Diese Strahlung wird durch die Treibhausgase großteils absorbiert, dann aber wieder in alle Richtungen abgestrahlt. Teils zurück zur Erdoberfläche (Gegenstrahlung), teils in das sehr kalte Weltall. Steigt die Konzentration der Treibhausgase, so findet immer weniger Wärmestrahlung den direkten Weg.

Treibhausgase bilden so etwas wie eine „selektive“ Schicht
um die Erde: Sie lassen die kurzwellige Solarstrahlung nahezu
ungestört durch, absorbieren aber langweillige thermische
Strahlung der Erdoberfläche.


Die Industrieländer verbrauchen noch immer die meiste Energie

Der Weltenergieverbrauch wird überwiegend aus Kohle, Öl und Erdgas gedeckt - und dieser Verbrauch findet vor allem in den Industrieländern statt: Etwa 75% des heutigen Verbrauchs wird von knapp 25% der Weltbevölkerung, eben den Menschen in den Industrieländern, verbraucht.

Die Ursachen für den beobachteten Klimawandel liegen also hier, sie liegen nicht in den Entwicklungsländern. Allerdings holen viele der bevölkerungsreichsten Länder dieser Welt heute bezüglich ihres Energieverbrauchs auf: So z. B. China, dessen Verbrauch gerade in den letzten Jahren kräftig zugenommen hat. Dies war für die stark steigenden Weltmarktpreise beim Rohöl verantwortlich. Die Länder der Welt orientieren sich bei ihrer Entwicklung sehr stark am Vorbild der heutigen Industrieländer. Weil hier immer noch der Verbrauch an Energie als schick und als Zeichen von hohem Wohlstand gilt, streben auch und gerade die sich neu entwickelnden Industrieländer nach der Verfügung über viel Energie.

Wie schick ist ein hoher Energieverbrauch?

In vielen alten energiewirtschaftlichen Publikationen wird der Pro-Kopf-Energieverbrauch der Bevölkerung eines Landes geradezu als Maßstab für den Entwicklungsstand betrachtet. Die Volkswirte, Geographen und Soziologen haben sich häufig ebenfalls dieses sehr einfach zu erhebenden Maßstabes bedient. So konnte sich der Irrtum, ein hoher Energieverbrauch sei ein Maßstab von Wohlstand und Entwicklungsstand, in den Köpfen der Politiker und einem großen Teil der Bevölkerung festsetzen.

Diese Einschätzung, „hoher Energieverbrauch“ = „hoher Wohlstand“ ist aber völlig falsch.


Sie stellt die Tatsachen auf den Kopf: Ein hoher spezifischer Energieverbrauch ist kein Zeichen von Wohlstand - es ist vor allem ein Zeichen von Ineffizienz. Vor allem veraltete, ineffiziente Gebäude, Fahrzeuge, Maschinen und Arbeitshilfen haben einen hohen Energieverbrauch. Moderne, zukunftsweisende Technik geht immer effizienter mit Energie um.

Illustration 1: Ineffiziente Volkswirtschaften

Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Energie-Verbrauch von 7,8 Tonnen Steinkohleeinheiten (SKE) lag der Primärenergieverbrauch je Einwohner in der früheren DDR um etwa vierzig Prozent höher als in der alten Bundesrepublik (5,48 Tonnen SKE).

Der Vergleich von Wirtschaftskraft und Wohlstand in diesen beiden Staaten ist gut bekannt: Die Gebäude, Fahrzeuge und Maschinen waren in der früheren DDR um ein Vielfaches weniger effizient als in der Bundesrepublik. Nicht auf die Quantität des Verbrauchs, sondern auf die Qualität der Nutzung kommt es an.

Peinliche Ironie: In einigen energiewirtschaftlichen Textbüchern wurde dieses Beispiel aus Unkenntnis der Staatsbezeichnungen verdreht: „Aus dem erkennbar höheren Wohlstand in der DDR (hic!, dieser Autor hielt die „demokratische Republik“ für Westdeutschland) resultiere der höhere Energieverbrauch.

Illustration 2: Lokomotiven

Nicht ohne Grund ist die Bahn systematisch von Dampflokomotiven auf E-Loks umgestiegen. Selbst die Elektrifizierung der gesamten Strecken, eine teure Investition, lohnte sich dafür:

Die besten Dampf-Loks kamen gerade mal eben auf Wirkungsgrade um 10%. Der Primärenergiewirkungsgrad der elektrischen Traktion liegt immerhin bei um 30% und er könnte noch ganz erheblich gesteigert werden.

Denn heute betriebene Kraftwerke wurden in Zeiten gebaut, in denen Energieträger noch sehr viel billiger waren und moderne Technologien, wie der Gas-und-Dampf-Prozess, noch nicht entwickelt waren (GUD-Kraftwerk). Eine Rückspeisung von Bremsenergie wird heute noch sehr selten praktiziert - und das Gewicht der Fahrzeuge lässt sich noch weiter reduzieren.

Illustration 3: Passivhaus

90prozent_energieparen_durch_passivhaus_mit_logo.jpg Die Altbauten in Europa verbrauchen im Durchschnitt mehr als 16 Liter Heizöl je Quadratmeter Wohnfläche und Jahr allein für die Heizung. Das trägt zu etwa einem Drittel zum gesamten Energieverbrauch in Europa bei.

Passivhäuser, wie sie inzwischen überall in Europa gebaut wurden, reduzieren den Verbrauch für die Heizung auf weniger als ein Zehntel im Vergleich zum Ist-Zustand (1,5 Liter je Quadratmeter). Und dabei wird der Wohnkomfort sogar noch verbessert. Auch Altbauten lassen sich mit besserer Wärmedämmung und Wärmerückgewinnung nachrüsten. Europa kann so unabhängier werden von Energieimporten - und zugleich entsteht Beschäftigung für innovative Unternehmen und für das Handwerk. Die erforderlichen besseren Dämmmaßnahmen und die Lüftungstechnik sind dabei bei heutigen Energiepreisen unter Wahrnehmung der kfW-Kredite wirtschaftlich.

Die Beispiele lassen sich leicht fortsetzen. In unseren Beiträgen zum Thema "Energieeffizienz" und "Wirkungsgrad" finden Sie eine Menge weiterer Beispiele, aber auch grundsätzliche Überlegungen dazu, wie und warum die Energieeffizienz nahezu überall sehr weitgehend gesteigert werden kann: Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung ist nämlich heute keinesfalls die technische Grenze für bessere Energieausnutzung erreicht - noch nicht einmal annähernd.

Aus der genauen Analyse des Sachverhalts kommen wir zu einem klaren Schluss, der für manche Ökonomen überraschend und für die meisten Energiewirtschaftler unerhört klingen wird:

Ein hoher pro-Kopf-Energieverbrauch ist kein Zeichen für Wohlstand, sondern ein Zeichen für Ineffizienz und Rückständigkeit.


Das gilt im Übrigen auch für den Straßenverkehr. Die Effizienz von Fahrzeugen kann ebenfalls erheblich gesteigert werden, ohne dass dies auf Kosten von Komfort und Geschwindigkeit geht. Wenn wir in Europa, das mit zur Spitzengruppe des hohen Verbrauchs in der Welt gehört, unseren Wohlstand und unsere Wirtschaftskraft in Zukunft halten und verbessern wollen, dann müssen wir vor allem eines tun:

Die Effizienz der Energieanwendung erhöhen

Das hat z.B. die Europäische Kommission sehr wohl erkannt. Dass ausgerechnet einige deutsche Interessengruppen nun Bremser in der Entwicklung zu mehr Energieeffizienz sind, will nicht in das Bild der fortschrittlichen deutschen Wirtschaft passen. Hier ist erheblich mehr Engagement gefragt, wenn wir künftig weiter am Weltmarkt bestehen wollen. „Nicht die Reduzierung der CO2-Abgaswerte führt zum Verlust von Arbeitsplätzen; den Verlust wird es vor allem dann geben, wenn die notwendige Reduzierung nicht eingeleitet wird“ - hier muss Herrn Dimas, der von 2004 bis 2010 das Umweltresort der EU als Kommissar leitete, zugestimmt werden.

Es fügt sich sehr gut, dass bei der Verbesserung der Energieeffizienz zugleich auch die Abgabe von CO2 in die Atmosphäre stark reduziert wird. Die Strategie, die gut ist für unseren künftigen Wohlstand und die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist zugleich gut für den Erhalt der Lebensbedingungen auf unserem Planeten. Allerdings: Diese Entwicklung hin zu erheblich verbesserter Effizienz muss teilweise gegen die Widerstände reicher und mächtiger Kartelle sowie politischer Akteure durchgesetzt werden.

Der Energienutzen

Vor gut 25 Jahren hat Prof. Hartmut Bossel für diese Ziele der Energieanwendung den Begriff „Energiedienstleistung“ geprägt. Leider wurde dieser Begriff sehr schnell von ganz anderen Dienstleistern in einem veränderten Sinn benutzt und er hat sich inzwischen in dieser unklaren Bedeutung eingebürgert. Heiner Geißler hat einmal richtig erkannt, dass die politischen Kräfte versuchen, Begriffe zu besetzen: Das ist im Fall der Energiedienstleistung mit einer anderen Bedeutung geschehen.

Also müssen wir den sauber definierten ursprünglichen Begriff mit einem anderen Wort bezeichnen und etwas mehr darauf achten, dass dieses Wort nicht wieder entführt und für andere Begrifflichkeiten verwendet wird. Treffend wäre z.B. die Bezeichnung „Energienutzen“ für den aus dem Einsatz von Energie letztlich gewonnenen Nutzen. Der Energienutzen ist die jeweilige physikalische Quantität der durch die Normung (z.B. Behaglichkeitsnorm ISO 7730) vorgegebenen intensiven Zustandsgrößen multipliziert mit einer extensiven Größe, welche die Quantität des jeweils konditionierten Bereichs beschreibt. Diese Größen sind für jeden einzelnen Anwendungsfall durch eine Analyse der angestrebten Ziele, eben des Nutzens, zu bestimmen.

Beispiele

Was ist der Nutzen unserer Energieanwendungen? Nun, jeweils ein ganz unterschiedlicher. In der folgenden Tabelle sind ein paar Beispiele zusammengestellt:

Tabelle: Energienutzen (Beispiele)Quantifizierung
HeizenBereitstellung thermisch komfortabler Wohnräume in
den kälteren Jahreszeiten
Wohnfläche * Zeitintegral der Temperaturdifferenz
warmes Trinkwasserwarmes Wasser zum Duschen, Baden, Waschen, …Wassermenge * Temperaturdifferenz
Wäschewaschensaubere, hygienisch einwandfreie WäscheMasse der Wäsche, evtl. mit Verschmutzungsgrad
Wäschetrocknenschranktrockene WäscheMasse der Wäsche, evtl. mit Restfeuchte
KühlenKühlen von Speisen u.a.; Verlängerung der HaltbarkeitMasse des Kühlgutes * Zeitintegral der Temperaturdifferenz
GefrierenLangzeitlagerung von Speisen u.a.Masse des Gefriergutes * Zeitintegral der Temperatur­differenz
GeschirrspülenReinigung des Ess- und Kochgeschirrs mit wenig
manuellem Aufwand; hygienisch einwandfreies Geschirr
Zahl der Maßgedecke, evtl. mit Verschmutzungsgrad
Beleuchtungkomfortable LichtverhältnisseWohnfläche * Zeitintegral der Beleuchtungsstärke
KommunikationÜbertragung von NachrichtenByte/s


Unter ideal eingestellten Bedingungen gibt es bei diesen eigentlich nachgefragten Energienutzen keine Notwendigkeit, zu ihrer Bereitstellung Energie aufzuwenden. Vielmehr kommt „Energie“ jeweils nur dadurch ins Spiel, dass die verwendeten Energieströme die Nutzungs-Systemgrenze nach außen verlassen. Dort findet man sie schlussendlich als Umweltwärme (Anergie) wieder. In der gebräuchlichen Terminologie werden diese austretenden Energieströme „Verluste“ genannt. Letztendlich verlassen alle den Systemen zugeführten Energieströme diese als Anergie.

Beweis: würde z.B. innerhalb eines Jahres regelmäßig Energie im System verbleiben, so würde die innere Energie kontinuierlich zunehmen, das System sich somit aufheizen. (Eine Zunahme von potentieller Energie kann, wie eine Überschlagsrechnung zeigt, nur in sehr geringem Umfang stattfinden). Im Idealfall muss es daher möglich sein, die überwiegende Zahl der nachgefragten Energiedienstleitungen zwar nicht mit dem Energieeinsatz Null (verlustfrei), jedoch mit einem beliebig kleinen von außen bereitgestellten Energiestrom zu erbringen.

Bei einer genaueren Analyse der Dienstleistungen stellt sich heraus, dass diese in der Regel in einem Aufrechterhalten eines Nichtgleichgewichtszustandes bestehen. Insbesondere bei den meisten der Dienstleistungen in Tabelle ist dies der Fall. Nichtgleichgewichtszustände können auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten aufrecht erhalten werden:

  • entweder, indem man ein dynamisches Fließgleichgewicht schafft - d.h. unter Aufwand von Energie dem Gleichgewichtsbestreben aktiv entgegen wirkt;
  • oder, indem man stationäre Barrieren errichtet, die passiv der Zustandsänderung entgegenwirken und damit den gewünschten Zustand als neues Gleichgewicht etablieren.

Die erste Alternative führt zu einem mehr oder minder großen aktiv bereitzustellenden Energiestrom, der dann aber, wie oben ausgeführt, die Systemgrenze als Anergie wieder verlässt. Die zweite Alternative ist bei konsequenter Umsetzung im Idealfall ohne jede aktive Energiezufuhr möglich.

Aber was hilft uns das in der Praxis?

Es hilft sehr viel: Denn diese Analyse zeigt, dass wir die Effizienz der Energienutzung nahezu beliebig steigern können. Es gibt keine physikalische Grenze für eine immer bessere Energieausnutzung. Da der Energienutzen von seiner Natur her gar keine Energie ist, sondern jeweils unterschiedliche qualitative Anforderungen erfüllt, die jeweils mit extrem geringem Energieaufwand aufrecht erhalten werden können, wenn dies nur intelligent genug angegangen wird.

In der Praxis muss dies für jede einzelne Energieanwendung analysiert und konkretisiert werden. Dass dies mit hohem Erfolg gelingt, zeigen die folgenden typischen Beispiele:

EnergienutzenAnteil am heutigen Energie-Verbrauch (D)Alte Form der technischen LösungNeue Form der LösungErreichte Effizienzsteigerung (Faktor)
Warme Räume 33% Heizung
( 16 l/(m²a) )
Wärmedämmung und Wärmerückgewinnung
(Best practise: Passivhaus)
Faktor 10
( 1,5 l/(m²a) )
Beleuchtung 2% Glühlampe Leuchtdiode Faktor 10
Verkehr 25% Durchschnitts-PKW
(6 l/100 km)
Low Resistance Motorcar
(Best practise: Loremo)
Faktor 4
(1,5 l/100 km)


Die Beispiele lassen sich fortsetzen - auch bei elektronischen und elektrischen Geräten kann die Effizienz entscheidend verbessert werden und auch bei Produktionsprozessen. Natürlich muss jeder Prozess für sich analysiert werden - und die Analyse muss die Systemgrenzen weit genug fassen.

Bitte beachten Sie aber, dass die Beispiele jeweils nur den gegenwärtigen Stand der Technik zeigen. Nichts spricht dagegen, dass die Effizienz in Zukunft noch weit mehr gesteigert werden kann. Die Potentiale der verbesserten Effizienz sind (nahezu) unerschöpflich.

Und wie können wir das umsetzen?

Gerade in den Möglichkeiten ihrer Umsetzung liegt die besondere Stärke der Effizienztechnologie. Die Umsetzung kann nämlich nahezu „lautlos“ im Zuge der normalen Wirtschaftsprozesse erfolgen. Das schöne am Effizienzansatz ist es gerade, dass er keine riesigen Umbrüche, keine grundsätzlichen Verhaltensänderungen, keinen Verzicht und keine übermäßigen Kosten erfordert.

Wie soll das funktionieren?

Für das Beispiel der warmen Räume haben wir das praxisgerecht bereits auf der Seite "Modernisierung von Altbauten" dargestellt: Es ist nur erforderlich, bei jeder „Ohnehin“-Erneuerung eines Bauteils an allen bestehenden Häusern jeweils auf „Best-Practise“-Komponenten zuzugreifen. Ganz konkret: Wenn Sie ein Fenster auswechseln, verwenden Sie für das neue Fenster eine Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung. Das ist wirtschaftlich, es erhöht die Behaglichkeit und es verringert den Energieverlust des Fensters um ungefähr einen Faktor 4. Das ist optimaler Klimaschutz, der zudem sogar einzelwirtschaftlich vorteilhaft ist und außerdem auch noch Arbeitsplätze in Europa schafft.

energiesparlampen.jpg Für das Beispiel Beleuchtung ist es noch viel einfacher: Qualitativ hochwertige Energiesparlampen, für jede Glühlampenfassung, erhalten Sie heute in jedem einschlägigen Geschäft, in jeder gewünschten Form und mit jeder gewünschten Farbtemperatur. Diese hocheffizienten Leuchtmittel kosten etwa 5 € pro Exemplar, sparen aber gegenüber herkömmlichen Glühlampen in ihrer Betriebszeit zwischen 16 und 70 € an Stromkosten ein. Die interne Verzinsung beträgt über 100%/a!
Übrigens: Selbst die ebenfalls verschwenderischen Halogenlampen können inzwischen durch gleißend helle LED-Leuchtmittel ersetzt werden, die einen Faktor 5 an Effizienz bieten. Bei LEDs werden Laborwerte von über 200 Lumen pro Watt erreicht, eine Faktor 16 im Vergleich zu Glühlampen. Hier liegt der volkswirtschaftliche Vorteil vor allem bei den Kosteneinsparungen der Verbraucher. Das zusätzlich verfügbare Geld kann für andere Dinge verwendet werden - z.B. für einen Fahrradurlaub in einem unserer wunderschönen Flusstäler.

1-l-auto.jpg Und auch beim PKW könnte es ganz einfach sein. Allerdings: Dazu muss wohl zunächst einmal etwas Dampf bei der „Modellpolitik“ der Hersteller gemacht werden. Deutschland ist gerade dabei, die internationale Spitzenposition im PKW-Sektor zu verlieren. Wer will künftig schon schwere, benzin- und kostenschluckende sowie das Erdklima gefährdende Großkutschen fahren, für die es dann noch nicht einmal Parkplätze gibt? Lange wird es nicht mehr gelingen, dies den Bürgern als das Nonplusultra der Selbstdarstellung zu verkaufen. Dass es heute möglich ist, die Modelle leichter, effizienter, windschnittiger, leiser und damit umweltfreundlicher zu bauen, das machen derzeit eher die Japaner und einige ganz neu am Markt auftretende Akteure vor. Die PKW-Flotte ist innerhalb von knapp einem Jahrzehnt nahezu vollständig auf wesentlich effizientere Fahrzeuge umstellbar. Die Verbraucher werden bei jedem Neukauf darauf achten. Allein schon, um ihr verfügbares Einkommen nicht sinnlos aufzehren zu lassen.

Das klingt alles so einfach - Und das ist es auch! Es bedarf nicht viel mehr als den ernsthaften Willen, das Problem auch wirklich zu lösen. Und die Ablösung von alten, längst widerlegten Positionen des Aberglaubens:

Des Aberglaubens, dass hoher Energieverbrauch und hohe physikalische Leistung schick seien - sie sind es nicht, sie verraten nur Rückständigkeit.

Des Aberglaubens, dass bessere Wärmedämmung von Gebäuden teuer sei - sie ist es nicht, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt, nämlich dem einer Ohnehin-Maßnahme, ausgeführt wird.

Des Aberglaubens, dass Fahrzeuge groß, schwer und PS-stark sein müssen - das ist unmodern, Raumschiffe wurden immer schon auf klein, leicht und energieeffizient optimiert.

Fazit

  • Es ist erwiesen, dass der Klimawandel schon heute stattfindet.
  • Die Ursachen liegen in den Verbrennungsprozessen von Kohle, Erdöl und Erdgas.
  • Ernsthaftes Handeln ist unausweichlich, wenn unseren Kindern und Enkeln eine noch lebenswürdige Zukunft bleiben soll.
  • Der Energieverbrauch ist der Schlüssel zur Lösung des Klimaproblems.
  • Ein hoher Energieverbrauch ist kein Zeichen von Wohlstand, sondern ein Zeichen von Ineffizienz.
  • Effizientere Energienutzung kann hier und heute eingeleitet werden. Sehr viel effizientere Technologien stehen bereits zur Verfügung und sind wirtschaftlich einsetzbar, wie z.B. das Passivhaus oder das „Low Resistance Motorcar“. Andere können in wenigen Jahren entwickelt und wirtschaflich eingesetzt werden.
  • Mit erheblich effizienterer Energienutzung kann der Energiebedarf auch in den Industrieländern so stark verringert werden, dass eine nachhaltige Versorgung möglich wird. Der fossile Energieverbrauch ist dann sehr gering - ohne dass es zu Einschränkungen beim Wohlstand kommt. Das Passivhaus ist ein gutes Beispiel dafür.
  • Die CO2-Abgabe in die Atmosphäre kann innerhalb von etwa 50 Jahren auf deutlich weniger als ein Zehntel des heutigen Wertes abgesenkt werden - bei gleichzeitigem Wachstum des Wohlstandes in der Welt.


Die Technik für viel höhere Effizienz steht uns heute weitgehend zur Verfügung. Gefordert sind:

  • Die Überwindung antiquierter Vorurteile. Dazu bedarf es vor allem neutraler Informationen.
  • Der konsequente Einsatz des vorhandenen Know-how. Hier sind alle gefordert. Die Produkthersteller, die Händler, die Verbraucher.
  • Die Intensivierung der Energieeffizienz-Forschung. Hier liegen die gewaltigen Potentiale, hier liegt die Innovativkraft, hier liegen die Märkte der Zukunft.
  • Die Weiterbildung der einschlägigen Berufsgruppen: Architekten, Ingenieure, Handwerker, Marketing-Spezialisten.

Mit diesen Ansätzen kann es uns in den nächsten 20 bis 30 Jahren gelingen, unseren Energieverbrauch durch bessere Effizienz insgesamt um gut einen Faktor 2 zu reduzieren, bei gleichzeitiger Verbesserung der Dienstleistung. Gleichzeitig kann die Erzeugung von erneuerbarer Energie deutlich gesteigert werden.

Und insgesamt lässt sich so das Schlimmste in Bezug auf den Klimawandel immer noch abwenden - ohne dass auf Wohlstand, Lebensqualität und Wirtschaftswachstum verzichtet werden müsste.

Siehe auch

grundlagen/energiewirtschaft_und_oekologie/treibhauseffekt_und_klimaschutz.txt · Zuletzt geändert: 2014/07/11 11:51 von cweber