planung:haustechnik:heizung_und_warmwasserbereitung:waermebereitstellung:versorgungsvarianten_im_vergleich

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planung:haustechnik:heizung_und_warmwasserbereitung:waermebereitstellung:versorgungsvarianten_im_vergleich [2019/01/31 11:33]
cblagojevic
planung:haustechnik:heizung_und_warmwasserbereitung:waermebereitstellung:versorgungsvarianten_im_vergleich [2019/11/18 11:53] (aktuell)
cblagojevic [Zusammenfassung]
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 Dieser Beitrag nimmt eine Fortschreibung der in den vorangegangenen Arbeitskreissitzungen [AkkP 20] und [AkkP 26] ausgearbeiteten Wirtschaftlichkeitsstudien vor. In diesen wurden am Beispiel eines intensiv beforschten Gebäudes (NEH Schrecksbach,​ Einzelheiten hierzu unter 3) und eines von diesem abgeleiteten „Zwillings“ in Passivhausqualität Gesamtkostenbelastung und Kostenstruktur bei einer Vielzahl von Systemvarianten untersucht. ​ Dieser Beitrag nimmt eine Fortschreibung der in den vorangegangenen Arbeitskreissitzungen [AkkP 20] und [AkkP 26] ausgearbeiteten Wirtschaftlichkeitsstudien vor. In diesen wurden am Beispiel eines intensiv beforschten Gebäudes (NEH Schrecksbach,​ Einzelheiten hierzu unter 3) und eines von diesem abgeleiteten „Zwillings“ in Passivhausqualität Gesamtkostenbelastung und Kostenstruktur bei einer Vielzahl von Systemvarianten untersucht. ​
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 Die ermittelte Gesamtkostenbelastung bezieht Investitionskosten der untersuchten Versorgungssysteme (Verwendungsdauer 20 Jahre), Energie- und Wartungskosten ein. Investitionen in die Erstellung des Gebäudes in NEH-Ausführung gehen nicht in die Betrachtung ein, wohl aber die erforderlichen baulichen Mehrinvestitionen für den Passivhausstandard. Die Kapitalkostenbelastung aus der Erstellung des Rumpfgebäudes bleibt unberücksichtigt,​ da sie ohnehin anfällt. Sie kann separat über die Gebäudegröße (149 m² Wohnfläche) und übliche Erstellungskosten ermittelt werden. Die ermittelte Gesamtkostenbelastung bezieht Investitionskosten der untersuchten Versorgungssysteme (Verwendungsdauer 20 Jahre), Energie- und Wartungskosten ein. Investitionen in die Erstellung des Gebäudes in NEH-Ausführung gehen nicht in die Betrachtung ein, wohl aber die erforderlichen baulichen Mehrinvestitionen für den Passivhausstandard. Die Kapitalkostenbelastung aus der Erstellung des Rumpfgebäudes bleibt unberücksichtigt,​ da sie ohnehin anfällt. Sie kann separat über die Gebäudegröße (149 m² Wohnfläche) und übliche Erstellungskosten ermittelt werden.
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 Selbstverständlich hat sich an den Energiekennzahlen der Gebäudevarianten nichts verändert, im Lichte der aktuellen Energiepreisentwicklung schien aber eine Neukalkulation der Energie- und Gesamtkosten lohnend und im Vergleich mit den älteren Berechnungen aufschlussreich. Selbstverständlich hat sich an den Energiekennzahlen der Gebäudevarianten nichts verändert, im Lichte der aktuellen Energiepreisentwicklung schien aber eine Neukalkulation der Energie- und Gesamtkosten lohnend und im Vergleich mit den älteren Berechnungen aufschlussreich.
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 In den vier zurückliegenden Jahren ist der Rohölpreis (als Leitgröße des internationalen Energiemarktes) stark gestiegen [TECSON]. Der Preisanstieg in der beobachteten Höhe kann aber als spekulative Überhöhung der Marktentwicklung gesehen werden: Eine starke und wachsende Nachfrage trifft derzeit auf nicht mehr wesentlich zu steigernde konventionelle Fördermengen,​ Substitutionspotentiale sind (noch) nicht in größerem Maße erschlossen (erneuerbare Energien, aber auch nicht-konventionelle Ölvorkommen wie Ölsande und die Gewinnung flüssiger Kohlenwasserstoffe aus Steinkohle). ​ Bei Markteintritt der genannten Substitutionsenergien in großem Ausmaß kann eine preisdämpfende Wirkung unterstellt werden. ​ (Die unterschiedliche ökologische Beurteilung verschiedener Substitutionspotentiale bleibt an dieser Stelle unberücksichtigt;​ eine weltweite Vereinbarung zur finanziellen Bewertung von (fossilen) Kohlendioxidemissionen würde den regenerativen Potentialen den Vorzug geben, der grundsätzliche Mechanismus einer Begrenzung des Energiepreisanstieges ist in jedem Szenario wirksam.) In den vier zurückliegenden Jahren ist der Rohölpreis (als Leitgröße des internationalen Energiemarktes) stark gestiegen [TECSON]. Der Preisanstieg in der beobachteten Höhe kann aber als spekulative Überhöhung der Marktentwicklung gesehen werden: Eine starke und wachsende Nachfrage trifft derzeit auf nicht mehr wesentlich zu steigernde konventionelle Fördermengen,​ Substitutionspotentiale sind (noch) nicht in größerem Maße erschlossen (erneuerbare Energien, aber auch nicht-konventionelle Ölvorkommen wie Ölsande und die Gewinnung flüssiger Kohlenwasserstoffe aus Steinkohle). ​ Bei Markteintritt der genannten Substitutionsenergien in großem Ausmaß kann eine preisdämpfende Wirkung unterstellt werden. ​ (Die unterschiedliche ökologische Beurteilung verschiedener Substitutionspotentiale bleibt an dieser Stelle unberücksichtigt;​ eine weltweite Vereinbarung zur finanziellen Bewertung von (fossilen) Kohlendioxidemissionen würde den regenerativen Potentialen den Vorzug geben, der grundsätzliche Mechanismus einer Begrenzung des Energiepreisanstieges ist in jedem Szenario wirksam.)
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 Der weitere Anstieg des Rohölpreises wird also zukünftig durch diese Potentiale begrenzt, langfristig wird ein neues Marktgleichgewicht einen Grenzpreis hervorbringen. Dessen genaue Höhe kann nicht präzise vorausgesagt werden, ein Preis von ca. 55 $/bbl stellt eine plausible Abschätzung dar. Sollte die tatsächliche Preisentwicklung diesen Wert übertreffen,​ wird die Wirtschaftlichkeit von Effizienztechnologien im Allgemeinen und speziell von Passivhäusern weiter verbessert. Der weitere Anstieg des Rohölpreises wird also zukünftig durch diese Potentiale begrenzt, langfristig wird ein neues Marktgleichgewicht einen Grenzpreis hervorbringen. Dessen genaue Höhe kann nicht präzise vorausgesagt werden, ein Preis von ca. 55 $/bbl stellt eine plausible Abschätzung dar. Sollte die tatsächliche Preisentwicklung diesen Wert übertreffen,​ wird die Wirtschaftlichkeit von Effizienztechnologien im Allgemeinen und speziell von Passivhäusern weiter verbessert.
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 Im Zeitraum 2004 bis 2008 sind die Energiepreise stark angestiegen und haben ein Niveau erreicht, wie es auch für den Mittelwert der kommenden 25 Jahre erwartet werden kann. Hieraus ergeben sich neue Erkenntnisse bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Passivhausprojekten im Wohnungsbau. ​ Im Zeitraum 2004 bis 2008 sind die Energiepreise stark angestiegen und haben ein Niveau erreicht, wie es auch für den Mittelwert der kommenden 25 Jahre erwartet werden kann. Hieraus ergeben sich neue Erkenntnisse bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Passivhausprojekten im Wohnungsbau. ​
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 Es konnte gezeigt werden, dass – selbst unter Vernachlässigung von Fördermitteln – unter Ausnutzung gegebener Potentiale wirtschaftlichen Bauens eine Ausführung freistehender Einfamilienhäuser in Passivhausqualität zu der geringsten Jahresgesamtkostenbelastung führen kann. Zieht man die Förderung der KfW hinzu, werden die Passivhausvarianten hinsichtlich ihrer Jahresgesamtkostenbelastung für den Benutzer sehr attraktiv. Es konnte gezeigt werden, dass – selbst unter Vernachlässigung von Fördermitteln – unter Ausnutzung gegebener Potentiale wirtschaftlichen Bauens eine Ausführung freistehender Einfamilienhäuser in Passivhausqualität zu der geringsten Jahresgesamtkostenbelastung führen kann. Zieht man die Förderung der KfW hinzu, werden die Passivhausvarianten hinsichtlich ihrer Jahresgesamtkostenbelastung für den Benutzer sehr attraktiv.
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 Insbesondere optimierte Versorgungsvarianten mit hohem Standardisierungs- und Vorfertigungsgrad,​ also Passivhauskompaktgeräte,​ führen zu interessanten Lösungen. Es bestätigen sich die in früheren Studien [AkkP 20] und [AkkP 26] bereits benannten Kostenvorteile in Verbindung mit der besonders effizienten Betriebsweise durch optimierte Steuerung und Regelung der Geräte. ​ Insbesondere optimierte Versorgungsvarianten mit hohem Standardisierungs- und Vorfertigungsgrad,​ also Passivhauskompaktgeräte,​ führen zu interessanten Lösungen. Es bestätigen sich die in früheren Studien [AkkP 20] und [AkkP 26] bereits benannten Kostenvorteile in Verbindung mit der besonders effizienten Betriebsweise durch optimierte Steuerung und Regelung der Geräte. ​
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 Das Marktvolumen von Kompaktgeräten hat in den vergangenen Jahren ​ wesentlich zugenommen, so dass zunehmend die erwarteten Kostenvorteile wirksam werden (hierzu mehr in der statistischen Auswertung realisierter Versorgungsvarianten von Rainer Pfluger). Der gerade (2008) beginnende Zertifizierungsprozess für Passivhaus-Kompaktgeräte wird in Zukunft die Planung von Gebäuden mit Kompaktgeräten bedeutend erleichtern und die Planungssicherheit deutlich verbessern. ​ Das Marktvolumen von Kompaktgeräten hat in den vergangenen Jahren ​ wesentlich zugenommen, so dass zunehmend die erwarteten Kostenvorteile wirksam werden (hierzu mehr in der statistischen Auswertung realisierter Versorgungsvarianten von Rainer Pfluger). Der gerade (2008) beginnende Zertifizierungsprozess für Passivhaus-Kompaktgeräte wird in Zukunft die Planung von Gebäuden mit Kompaktgeräten bedeutend erleichtern und die Planungssicherheit deutlich verbessern. ​
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 Sobald Effekte der Mengenfertigung von Passivhauskomponenten zu einer Reduktion auf der Seite der Zusatzinvestitionen in den Passivhausstandard führen, kann eine andere Bauweise kaum noch mit wirtschaftlichen Argumenten gerechtfertigt werden. Sobald Effekte der Mengenfertigung von Passivhauskomponenten zu einer Reduktion auf der Seite der Zusatzinvestitionen in den Passivhausstandard führen, kann eine andere Bauweise kaum noch mit wirtschaftlichen Argumenten gerechtfertigt werden.
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